hr2 ZUSPRUCH
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Groß, Uwe

Eine Sendung von
Uwe Groß,
Katholischer Diakon, Pfarrei St. Peter und Paul, Wiesbaden

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Ein Mann am Meer mit der untergehenden Sonne.

Aufbruch

Mich interessiert, was an einem Tag in der Geschichte alles so passiert ist. Dafür blättere ich gerne in historischen Kalendern herum. Für den heutigen 16. September haben mich da zwei Ereignisse neugierig gemacht. Am 16.September 1620 machten sich die sogenannten Pilgerväter von England nach Amerika auf. Sie segelten mit der „Mayflower“ – einem Schiff – in eine neue Zukunft und gelten noch heute als die ersten englischen Siedler in den USA. Auch die Gründung des Bundesstaates Massachusetts geht auf sie zurück. Die Pilgerväter waren Männer und Frauen, die als christliche Sekte in England verfolgt wurde.

Die Ballonflucht aus der DDR 1979

Das zweite historische Ereignis heute wurde von Michael Herbig in seinem Film „Ballon“ verfilmt. Es ist die Flucht von zwei Familien aus der DDR 1979 mit einem Heißluftballon. Auch die ereignete sich an einem 16. September.

Aufbruch in eine ungewisse Zukunft

In beiden Fällen haben sich Menschen, die unter schwierigen Bedingungen leben mussten, aufgemacht, in eine ungewisse Zukunft hinein. Sie haben sich von der Hoffnung leiten lassen. Und dabei haben sie ihr Leben riskiert. Mein Leben musste ich bisher Gottseidank noch nicht riskieren, aber Aufbrüche in eine neue und ungewisse Zukunft kenne ich auch. Ich denke zum Beispiel an die Zeit zurück als unser Sohn auf die Welt kam. Ich hatte vorher überhaupt keine Ahnung, wie das ist, wenn ein Kind plötzlich da ist, dass dann auch ständig die Eltern braucht. Wie alle Eltern, mussten auch meine Frau und ich unser Leben umstellen und hatten vor allem das Kind im Fokus. Alte Freundschaften, gingen in die Brüche, weil jungen Eltern eben einen anderen Lebensrhythmus haben, als Menschen, die keine Kinder haben.

Abschied und Leere nach dem Tod der Eltern

Ich denke bei Lebensumbrüchen auch an Abschiede von liebgewordenen Menschen. Als meine Eltern vor mehreren Jahren verstorben sind, habe ich eine Leere gefühlt. Meine Geschwister und ich haben meinen Vater in seinen letzten Lebensjahren gemeinsam versorgt. Als er nicht mehr da war, war da ein Riesenloch.

Hoffnung durch Glauben und Erfahrung

Mir hat bei alle den Auf- und Umbrüchen immer die Hoffnung geholfen, dass ich auch eine neue und andere Situation meistern kann, so wie ich das schon öfter musste. Einen großen Teil dieser Hoffnung, habe ich aus meinem Glauben an Gott gezogen, aus dem Glauben daran: Das Leben ist letztlich auch durch die Herausforderungen etwas Schönes und Gott gibt mir die Kraft dazu, neue Schwierigkeiten zu meistern.

Zuversicht für kommende Umbrüche

Ich bin mir sicher, dass auch die Zukunft neue Aufbrüche erfordert. Dabei schaue ich etwas stolz zurück auf die vielen Umbrüche, die ich schon geschafft habe und dadurch gewinne ich auch Hoffnung für das, was vor mir liegt. Unbekanntes Land – wie bei den Pilgervätern.