hr2 ZUSPRUCH
hr2
Dechant, Rebecca

Eine Sendung von

Katholische Gemeindereferentin im PV St. Flora und St. Lioba Petersberg-Künzell-Fulda, Petersberg

00:00
00:00
Füße einer Person in Inlinern.

Auf Rollen in den Frühling

Der Frühling ist da. Endlich. Nach Monaten voller Schnee, Regen und diesem ganzen Matsch lockt uns das Frühlingswetter wieder nach draußen. Die Sonne macht etwas mit uns – sie füllt uns mit Tatendrang, schubst uns ein bisschen an … und manchmal ermutigt sie uns sogar, etwas Neues auszuprobieren. So wie bei meiner Tochter.

Frühling: Wenn die Sonne uns wieder nach draußen lockt

Sie hat jetzt ihren ganzen Mut zusammengenommen und ihre Inlineskates herausgeholt. Letztes Jahr? Keine Chance. Da waren diese Schuhe auf Rollen ihr irgendwie suspekt. Also standen die Skates unberührt in der Ecke. Bis jetzt.

Aber dieses Frühjahr möchte sie es lernen. Nun steht sie also da – ganz zart, unsicher, ein bisschen wackelig – auf den Rollschuhen in unserem leicht abschüssigen Hof. Und ich sehe, wie der anfängliche Mut blitzschnell der Angst weicht. 

Die Angst vor dem Fallen – und der Wunsch nach Halt

Der Angst hinzufallen. Der Angst, loszulassen. Der Angst vor der eigenen Geschwindigkeit. Sie schaut mich an, hilfesuchend, fast ein bisschen verzweifelt – und greift nach meiner Hand. Und in diesem Moment denke ich: Ja, so ist das. Wenn es zu schnell wird im Leben, wenn wir unsicher werden, dann wünschen wir uns alle eine sichere Hand, die uns hält. Ein Gegenüber, das nicht alles für uns übernimmt, aber uns begleitet, bis wir selbst wieder ins Rollen kommen.

Warum wir im Leben manchmal eine helfende Hand brauchen

Und wie ich da so stehe, mit ihrer kleinen Hand in meiner, passiert etwas Unerwartetes: Es kitzelt plötzlich auch in meinen Fingerspitzen. Ein leiser Impuls, ein Frühlingskribbeln. So ein Gefühl, das sagt: „Komm, du auch. Trau dich.“

Meine eigenen Inlineskates, die irgendwo in der Garage herumliegen. Eingestaubt, und in dem festen Glauben, dass ihre aktive Zeit längst vorbei ist.

Aber jetzt denke ich: Warum eigentlich? Warum sollten nicht auch meine Rollen wieder Sonne sehen? Warum nicht auch ich ein bisschen wackeln, ein bisschen Mut fassen und ein bisschen Frühling unter den Füßen spüren? Vielleicht ist das ja das Geheimnis des Frühlings: Er weckt nicht nur die Natur, er weckt auch uns. Unsere Lust loszurollen. Diese Freiheit und Leichtigkeit zu spüren. 

Sich gegenseitig halten: Eine kleine Lektion fürs Leben

Ein paar Minuten später stehe ich nun neben meiner Tochter, mit Rollen an den Füßen. Ebenso wackelig und ein bisschen unsicher, aber mit einer tiefen Bereitschaft, etwas Neues zu wagen. Und auch ich spüre in diesem Moment das Bedürfnis nach einer sicheren Hand – ich greife nach der kleinen Hand meiner Tochter und fasse gemeinsam mit ihr den Mut, loszufahren.

Hand in Hand ins Rollen kommen – Vertrauen lernen

Irgendwann werden wir uns wieder loslassen. Aber für jetzt ist es gut. Wir brauchen diese Hände in unserem Leben. Und es tut auch gut, für andere diese Hand zu sein. Sich gegenseitig halten. Sich gegenseitig Kraft geben. Sich gegenseitig Mut machen.

Da stehen wir nun gemeinsam im Hof: Meine Tochter und ich. Hand in Hand. Wackelig, unsicher, lachend – aber gemeinsam auf dem Weg ins Rollen.