Auf das Miteinander kommt es an
Menschen brauchen Miteinander. Trotzdem scheinen die Nachrichten oft voll von Spaltung und Egoismus. Mir tun deswegen momentan Geschichten gut, die etwas anderes erzählen. Der Roman „Wohnverwandtschaften“ von Isabel Bogdan ist so eine Geschichte.
Eine Wohngemeinschaft als Ort des Neubeginns
Nach einer Trennung zieht Constanze in eine Wohngemeinschaft zu Jörg, Anke und Murat. Eigentlich nur eine Übergangslösung. Doch dann sind da Murats Kochkünste. Und immer jemand zum Reden. Constanze fängt an, das WG-Leben zu genießen.
Wenn plötzlich Demenz das WG-Leben verändert
Deshalb bleibt sie auch dann noch, als Schwierigkeiten aufkommen: Jörg vergisst erst den Einkaufszettel, dann den ganzen Einkauf. Er verliert seine Schlüssel und kann sein Auto nicht mehr finden. Jörg wird dement.
Wer kümmert sich, wenn es ernst wird?
Gleichzeitig erleben Constanze, Anke und Murat eigene Krisen. Alle drei hätten gute Gründe zu sagen: Ich muss mich zuerst um mich selbst kümmern.
Doch sie entscheiden sich anders. Sie überlegen: Wie können wir die Situation gemeinsam bewältigen?
Verantwortung teilen – Gemeinschaft leben
Sie teilen sich ein, dass immer jemand bei Jörg bleibt, damit er, solange es geht, zu Hause bleiben kann. Anke schaut alte Fotos mit ihm an und singt mit ihm. Murat und Constanze kümmern sich um den Haushalt. Sie übernehmen gemeinsam Verantwortung. Das ist nicht einfach. Doch die Verbindung zwischen den vieren wird tiefer. Und das tut ihnen allen gut.
Ehrlichkeit statt Idealbild: Gemeinschaft mit Herausforderungen
Auf das Miteinander kommt es an. Darum geht es in der Geschichte von der ungewöhnlichen Wohngemeinschaft. Was mich besonders berührt: Es ist eine ehrliche Geschichte. Sie erzählt nicht nur, wie schön Gemeinschaft ist. Sondern auch, dass sie herausfordernd sein kann.
Wenn Fürsorge das Leben verändert
Die Mitbewohner in der Geschichte machen die Erfahrung: Ihr Leben wird komplizierter, weil sie den dementen Jörg nicht im Stich lassen wollen. Das kenne ich. Es kostet Kraft, für andere da zu sein. Dabei denke ich manchmal: mein eigenes Leben ist doch schon anstrengend genug.
Warum mehr Miteinander hilft, nicht weniger
Was mir dann hilft: Nicht weniger Miteinander, sondern mehr davon. Ich erinnere mich zum Beispiel: Eine Verwandte von mir musste nach einem Unfall ins Krankenhaus. Vor ihrer Rückkehr gab es einiges vorzubereiten in ihrer Wohnung. Ich wollte sie unterstützen. Aber wie? Ich hatte selbst viel um die Ohren. Außerdem hatte ich kein eigenes Auto, aber ohne wäre ich da gar nicht hingekommen. Alles furchtbar kompliziert.
Kleine Gesten, große Wirkung: Hilfe, die Kreise zieht
Aber: Auch mir hat das Miteinander geholfen. Eine Kollegin hat meinen Gottesdienst am Sonntag übernommen. Und ein Freund hat mir spontan sein Auto geliehen. Die beiden waren für mich da. Und ich konnte so für wen anders da sein.
Was wir von „Wohnverwandtschaften“ lernen können
So, wie Constanze, Murat und Anke aus dem Roman habe auch ich erlebt: Wenn wir füreinander sorgen, wird die Beziehung zueinander stärker. Es tut mir gut zu wissen: ich habe Menschen um mich, die spontan hilfsbereit sind. So wie meine Kollegin und der Freund, der für mich auf sein Auto verzichtet hat. Und auch zu der Verwandten, die ich damals unterstützt habe, habe ich heute eine besondere Verbindung.
Bewusst leben: Wer stärkt mich – und wen stärke ich?
Ich nehme mir vor, auch weiter bewusst zu schauen: Wer braucht mich gerade? Vielleicht die Freundin, die vor einigen Monaten einen lieben Menschen verloren hat. Ich werde sie anrufen. Und auf der anderen Seite schaue ich: Wer stärkt mich? Mit einem Gespräch, das Mut macht. Oder mit ganz konkreter Hilfe. Ich will pflegen, was mir wichtig ist: Das Miteinander.