Silvester: Was bleibt, was neu wird
Die letzten Stunden des alten Jahres schwinden dahin. Zu merken ist das an den Rückblicken, die zum Jahresende gehören. An keinem anderen Tag im Jahr werden die existenziellen Auswirkungen der Zeit so deutlich wie heute, an der Schwelle zum neuen Jahr.
Der Jahreswechsel – Zeit für Rückblicke
Silvester kennzeichnet den Übergang von dem, was war, zu dem, was kommen soll. Es ist die Schnittstelle, die mir zugleich vor Augen hält, was ich aus meinem Leben gemacht habe, und was demgegenüber sein könnte. Deshalb verbinden so viele Menschen den Übergang ins neue Jahr mit guten Vorsätzen oder dem festen Willen, unliebsame Angewohnheiten aufzugeben, einen Neustart zu versuchen.
„Siehe, ich mache alles neu!“ – Hoffnung und Herausforderung
In einer prophetischen Schrift der Bibel, der Offenbarung, steht dieser Satz: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Off 21,5) Das ist eine Verheißung, so als wäre sie genau für diesen Tag geschrieben. „Alles neu machen“, eine überwältigende Vorstellung, die mir Mut machen könnte. Und doch bin ich skeptisch. Will ich das wirklich? Wenn alles neu wird, wo bleibt dann das Vertraute?
Zwischen Fortschritt und Vertrauen – wie viel Veränderung will ich?
Neu und anders werden soll auf jeden Fall das, was mich stört, was mich belastet. Neu werden soll die Welt durch Fortschritte etwa in der Medizin, um Krankheiten zu besiegen.
Auf der anderen Seite verspüre ich auch Angst, das zu verlieren, was mir liebgeworden ist: Freunde etwa, schöne Erinnerungen oder Gewohnheiten, die meinen Alltag vertraut machen. Die Modernisierung läuft so schnell, dass ich oft nicht mitkomme. Ist es tatsächlich gut, wenn alles neu wird? Und wie kann ich diese gegensätzlichen Gefühle zusammenbringen, wenn alles neu werden soll und ich zugleich das Bewährte behalten möchte?
Vom Alten zum Neuen – was bleibt, was wandelt sich?
Vielleicht ist es möglich, das Neue aus dem Alten zu schöpfen. Wie bei einem Fluss, der schon die Vorfahren versorgt hat, aber immer wieder frisches Wasser bietet. Die Natur gibt dafür das Vorbild, das wohl auch der Prophet mit seiner Ankündigung im Sinn hatte. Es wird alles neu – das meint dann: Du kannst dich ändern, es gibt einen Neuanfang für die Welt und für dich, aber das Wesentliche bleibt dabei erhalten.
Erneuerung ohne Bruch – eine spirituelle Perspektive
Ich ändere mein Verhalten, aber die Seele bleibt, und mit ihr alles, was in ihr abgespeichert ist, und meine Persönlichkeit ausmacht. Die Aufmerksamkeit richtet sich dann auf das, was aus meinem Leben noch werden soll, was ich bisher nicht vermocht habe. Denn siehe, ich mache alles neu! Das ist Fortsetzung, kein Bruch mit der Vergangenheit. Wie die Natur im Frühling ein neues Gewand entwickelt, aber die Wurzeln behält.
Silvester als Moment der Besinnung und Kraft
Eben darum geht heute und in der Silvesternacht: Die Chancen der Erneuerung vor Augen halten und zugleich aus den Wurzeln neue Kraft ziehen. Zu diesen Wurzeln, die Kraft für den Weg in die Zukunft liefern, gehören für mich an Silvester Worte der Bibel von guten alten Traditionen und von Verheißungen, dass vieles neu werden wird.