Wenn die Worte fehlen
Es gibt Situationen, da bleibt einem die Sprache weg. Nicht, weil man nichts zu sagen hätte, sondern weil die Angst stärker ist. Ich kenne das auch. Da möchte ich jemandem widersprechen und schweige dennoch. Ich würde gern um Hilfe bitten, bringe aber kein Wort heraus. Oder ich bräuchte wirklich mal wieder Zeit für mich, aber ich nehme sie mir nicht und sage immer wieder: "Es geht schon."
Wenn uns Angst sprachlos macht
Im Matthäusevangelium wird Jesus ein stummer Mensch gebracht. Die Menschen damals glaubten, ein Dämon halte ihn gefangen. Jesus befreit ihn – und plötzlich kann der Mann sprechen. Seine Stimme ist wieder da.
Mich beschäftigt dabei weniger das spektakuläre Wunder als die Frage: Was macht Angst mit unserer Stimme? Angst kann uns verstummen lassen. Die Angst, ausgelacht zu werden. Die Angst, anzuecken. Die Angst, nicht zu genügen. Manchmal reden wir zwar den ganzen Tag, und doch bleibt das Entscheidende ungesagt. Wir verstecken unsere Sorgen hinter Floskeln und unsere Sehnsucht hinter einem Lächeln.
Mehr als ein Wunder: die eigene Stimme wiederfinden
Heilung bedeutet dann vielleicht nicht zuerst, dass alle Probleme verschwinden. Heilung beginnt dort, wo ich wieder Worte finde. Wo ich sagen kann: "Ich schaffe das nicht allein." Oder: "Es tut mir leid." Oder auch: "Ich brauche dich."
Von Sprachlosigkeit zu neuer Würde
Jesus schenkt dem stummen Mann nicht nur eine funktionierende Stimme. Er gibt ihm seine Würde zurück. Wer sprechen kann, kann sich mitteilen, kann Beziehungen gestalten, kann wieder am Leben teilnehmen.
Am Ende des Evangeliums blickt Jesus auf die Menschen und empfindet tiefes Mitgefühl. Er sieht keine perfekte Welt. Er sieht Menschen, die müde sind und orientierungslos wie Schafe ohne Hirten.
Gott versteht das Unausgesprochene
Das tröstet mich. Gott wartet nicht darauf, dass wir stark wirken. Er sieht, was uns sprachlos macht. Und er möchte uns den Mut schenken, unsere eigene Stimme wiederzufinden.
Vielleicht beginnt heute ein kleines Wunder. Nicht mit großen Reden, sondern mit einem ehrlichen Satz. Mit einem Gebet, das lange unausgesprochen geblieben ist. Oder mit dem Vertrauen, dass Gott auch dann versteht, wenn uns noch die Worte fehlen. Und manchmal ist genau das der Anfang von Heilung.