hr1 ZUSPRUCH
hr1
Hirt, Beate

Eine Sendung von
Beate Hirt,
Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt

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Reliefs an einer Kathedrale zeigen vier Figuren: links ein König, daneben ein Engel, der die Hände hebt. In der Mitte steht eine Figur mit einem Kopf in der Hand, rechts ein weiterer Engel. Die Figuren sind detailliert gestaltet und symbolisieren biblische Themen.

Von der Lust am Gruseln

Anmoderation: Heute Abend klingeln wieder viele kleine Vampire und Horrorgestalten an den Türen – und die größeren feiern Party. Es ist Halloween. Aber warum verkleiden wir uns dabei eigentlich so gruselig? Darüber hat sich Beate Hirt von der katholischen Kirche Gedanken gemacht und erzählt davon im hr1 Zuspruch.

Gruselig geht es heute Abend zu: Kinder malen sich Blutspuren oder Narben ins Gesicht und ziehen sich Kostüme an. Werden zu Skeletten oder einem Vampir. Und auch viele Erwachsene haben Spaß an einer gruseligen Verkleidung. Wie kommt es eigentlich, dass wir Menschen uns so gerne gruseln?

Gruselige Heilige: Welche Figuren stehen in Kirchen?

Fest steht: Die Lust am Gruseln ist nicht neu. Die Menschen früher haben sich – mancher wird sich jetzt vielleicht wundern – vor allem in der Kirche gruseln können. Da stehen nämlich bis heute Figuren herum, die auch als Halloween-Verkleidung durchgehen würden: Einer trägt seinen abgeschlagenen Kopf unterm Arm – das ist der heilige Dionysius. Ein anderer steht da blutüberströmt und mit Pfeilen durchbohrt an eine Säule gefesselt: der heilige Sebastian. Und ein dritter Heiliger: Der trägt seine eigene Haut über dem Arm. Da schaudert’s mich. Den heiligen Bartholomäus soll man einst gehäutet haben. Er ist übrigens der Stadtpatron von Frankfurt, auch der Dom ist nach ihm benannt.

Halloween und Allerheiligen: Was macht den Reiz des Gruselns aus?

Diese gruseligen Heiligen – und die gruseligen Kinder und Erwachsene heute: Ich finde, sie passen besonders gut zusammen: Heute ist ja der Abend vor Allerheiligen, „All-hallows-eve“, Halloween. Warum sich Menschen gerne gruseln, früher wie heute? Ich glaube ja, vor allem, weil das Gefühl danach so schön ist: Wenn das Adrenalin und der Schrecken nachlassen. Wenn klar ist: Uff, ich bin in Sicherheit, mir passiert nichts.

Wie nimmt der Glaube die Angst?

Von den Heiligen erzählt man sich: Sie haben sich sogar mitten in allem Schrecken und aller Folter behütet und sicher gefühlt. Weil sie wussten: Gott ist an meiner Seite. Das hat ihnen das Gefühl gegeben: Mir kann eigentlich nichts passieren. Und selbst wenn ich sterben muss: Dann geht’s nach dem Tod weiter mit dem Leben.

Ich stelle mir vor: Die Heiligen waren ganz erfüllt von diesem Gefühl von Geborgenheit. Und ich finde, das ist eine wunderbare Seite meines christlichen Glaubens: Er kann mir die Angst nehmen. Und meinem Leben das wunderbare Gefühl geben: Ich bin sicher und behütet.