hr1 ZUSPRUCH
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Mosler, Stephanie

Eine Sendung von
Stephanie Mosler,
Katholische Rundfunkbeauftragte, Fulda

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Vertrauen verspielt

Ein Anruf verändert diese Woche die Welt – na ja, zumindest die Fußballwelt. Trump klingelt bei Infantino durch, und im selben Moment werden Regeln hinweggewischt, und all das, was Fair Play auch außerhalb des Spielfelds ausmacht, verschwindet in der Bedeutungslosigkeit. Es geht um die Aufhebung der Rot-Sperre für den US-amerikanischen Fußballspieler Florian Balogun. Für mich ist das eine neue Dimension politischer Machtausübung, und das bei einem der größten Sportereignisse überhaupt.

Wenn Macht Regeln bricht

Dass ich, und viele andere wahrscheinlich auch, Trump diese Regelüberschreitung zugetraut habe, ist nicht der eigentliche Skandal. Unfassbar ist es, dass sich der FIFA-Chef darauf einlässt. Derjenige, der dieses Fußballfest verantwortet, hat es damit verraten. Das Handelsblatt nennt beide in einem Artikel die Sonnenkönige. Völlige Willkür, Machtmissbrauch – die Fußballwelt ist nicht mehr das, was sie einmal war. Ein kaputtes System, wenn die Politik Entscheidungen auf dem Spielfeld einfach wegwischen kann.

Wer hält sich überhaupt noch an Absprachen?

Ich frage mich: Warum können oder wollen sich Menschen nicht an Regeln halten? Trump und Infantino scheinen davon wohl losgelöst zu sein. Ich vermute, wegen ihres irrsinnigen Vermögens greifen verschiedene Hebel einfach nicht mehr. Aber Regeln und Absprachen sind doch das Grundgerüst unseres Miteinanders. Es gibt sie überall: im Straßenverkehr, in der Familie, in der Schule, am Arbeitsplatz und generell im öffentlichen Leben. Regeln sorgen dafür, dass das Zusammenleben fair, sicher und verlässlich bleibt. Sie stützen sich nicht nur auf Gesetze, sondern sichern auch unser soziales Miteinander.

Ein bitterer Beigeschmack

Den Skandal sitzen Infantino und Trump aus, wie immer. An den beiden Sonnenkönigen prallt Kritik ab wie ein astreiner Pfostenschuss. Leid tut mir Balogun. Er wird immer derjenige bleiben, der dann doch spielen durfte, weil Trump die richtige Nummer angerufen hatte. Er selbst hatte seine Strafe übrigens akzeptiert, wie er in einem Statement sagte.

Warum Werte und Regeln unverzichtbar sind

Doch was bleibt jetzt von dieser WM? Ich glaube: ein ziemlich übler Nachgeschmack. Mir fällt es schwerer als sonst, einen echten Zuspruch für diesen Samstagmorgen zu formulieren. Vielleicht ist es heute eher eine einfache Botschaft: Wo Macht wichtiger wird als Wahrheit und Fairness, leidet das Vertrauen. Sport kann ein Zeichen der Gemeinschaft sein — aber nur, wenn er sich an Werte und Regeln hält, die für alle gelten. Und was für den Sport gilt, gilt für alle Bereiche des Miteinanders.