Menschenleser
Seit Kindertagen sind Pferde meine Lieblingstiere. Mich fasziniert, ihre Eleganz und noch mehr ihre Fähigkeit, Menschen zu lesen. Sie nehmen die kleinsten Gesten wahr und spüren, Freude, Angst oder Stress. Sie sind eben richtige Menschenleser. Und dann reagieren sie entsprechend: Bin ich unsicher, ist es das Pferd eben auch.
Warum faszinieren uns Tiere so sehr?
Im Umgang mit ihnen lerne ich viel über mich selbst. Vielleicht liegt genau darin die Faszination von vielen von uns für Tiere: weil wir uns in ihnen wiederfinden. Uns erstaunt, welche menschlichen Eigenschaften wir in Tieren entdecken – und wir schreiben sie ihnen zu: der dumme Esel, der böse Wolf.
Mehr als Klischees
Aber der Esel oder der Wolf, ist mehr als nur dumm oder böse. Esel haben zum Beispiel die Fähigkeit, Gefahren schnell zu erkennen. Der Wolf lebt im Rudel und das unterstützt sich gegenseitig – also richtig soziale Tiere.
Sind wir nicht auch mehr, als der erste Eindruck?
Und so ist es auch bei uns Menschen: Wir sind mehr als das, was andere auf den ersten Blick sehen. Mehr als die Niete in Englisch – vielleicht bist du richtig gut in Geschichte oder Deutsch. Mehr als der unpünktliche Freund – denn andere können sich auf dich in jeder Situation verlassen.
Ein zweiter, dritter und vierter Blick auf einen Menschen lohnt sich!
Wie feinfühlig Tiere uns wahrnehmen
Und was ich auch von Tieren lerne: Sie sind einfühlsam: Die Tiere, mit denen ich lebe, wissen oft genau, wie es mir geht. Ob ich Nähe brauche oder lieber Abstand. Ob ich fröhlich bin und Lust habe zu toben – oder still.
Und sie wissen, wer wir sind. Nicht nach Noten und Leistungen. Sondern im Kern. Ob wir ein gutes Herz haben oder nicht. Für mich hat das fast was Göttliches: Gott kennt mich auch genau.
Was können wir von Tieren lernen?
Von Tieren lernen, das wünsche ich mir für meinen Alltag. Einfach mal den zweiten, dritten oder vierten Blick auf jemanden wagen und mich überraschen lassen. Und meine Sinne darauf richten, wie es anderen wirklich geht.