hr1 ZUSPRUCH
hr1
Hartmann, Christoph

Eine Sendung von
Christoph Hartmann,
Lehrer und Referent für katholische Schulpastoral, Fulda

00:00
00:00
Das Bild zeigt eine junge Frau, die vertraut zu einer älteren Dame lächelt. Beide haben Freude am Zusammensein, während die jüngere Frau die Hand an die Schulter der älteren Dame legt. Die Aufnahme vermittelt ein Gefühl von Nähe und liebevoller zwischenmenschlicher Verbindung.

Longevity – der Trend zum langen Leben

Longevity – dieses Wort begegnet uns immer häufiger. Übersetzt bedeutet es schlicht: Langlebigkeit. Dahinter steckt ein tiefer menschlicher Wunsch, möglichst lange und gesund zu leben. Vor allem wohlhabende Menschen investieren dafür enorme Summen in Nahrungsergänzungsmittel, spezielle Ernährungspläne, Sauerstofftherapien oder andere medizinische Behandlungen und innovative Forschung. Das Ziel ist klar: das Leben verlängern und möglichst lange fit bleiben.

Gesundheit als Eigenverantwortung

Als Theologe fällt mir daran zunächst etwas sehr Positives auf: Menschen übernehmen Verantwortung für ihren Körper. Sie achten bewusst auf ihre Gesundheit, verzichten auf manches und nehmen einen disziplinierten Lebensstil in Kauf. Das ist alles andere als verkehrt. Und trotzdem bleibt eine Wahrheit: Selbst, wenn es gelingt, das Leben um einige Jahre zu verlängern – irgendwann stößt jeder Mensch an seine Grenze. Die Vergänglichkeit bleibt.

Die Frage nach dem ewigen Leben

In der biblischen Schriftlesung für den heutigen Tag begegnet uns ein junger Mann, der Jesus eine erstaunliche Frage stellt: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Schon diese Frage überrascht heute. Der junge Mann denkt über den Tod hinaus. Für ihn endet das Leben nicht einfach mit dem letzten Atemzug. Deshalb möchte er wissen: Wie sieht der Weg zu Gott und seinem Reich aus?

Reichtum, der das Herz belastet

Jesus erinnert ihn zunächst an die Gebote: nicht töten, nicht stehlen, nicht die Ehe brechen, nicht lügen. Der junge Mann antwortet: Das alles halte ich bereits ein. Doch dann fordert Jesus ihn heraus: „Verkaufe deinen Besitz, gib das Geld den Armen und folge mir nach.“ Das ist einfach zu viel für den jungen Mann. Traurig geht er weg, denn er hat ein großes Vermögen.

Woran hängt mein Herz? An Langlebigkeit, Gesundheit, Besitz oder Reichtum? Das sind alles wertvolle Dinge – solange sie meinem Herzen nicht vorgaukeln, das Wichtigsten im Leben zu sein. 

Ein erfülltes Leben in Gottes Nähe

Für mein Leben eröffnet Jesus eine größere Perspektive. Er verspricht nicht einfach ein längeres oder wohlhabenderes Leben, sondern ein erfülltes Leben. Ein Leben, das aus der Beziehung zu Gott lebt und schon heute vom Himmel berührt wird. Denn das Himmelreich beginnt nicht erst nach dem Tod. Es wächst dort, wo Menschen lieben, teilen, vergeben und Jesus nachfolgen.

Vielleicht ist das die eigentliche Frage: Nicht nur, wie wir länger leben können, sondern wie wir so leben, dass unser Leben schon heute einen Hauch von Gottes Ewigkeit in sich trägt.