hr1 ZUSPRUCH
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Seeger, Andrea

Eine Sendung von
Andrea Seeger,
Evangelische Theologin, Oberursel

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Zwei Männer mit Kippot auf dem Kopf stehen vor einem Vitrinenausstellungsstück. Sie betrachten darin Erinnerungsstücke und Informationen, die die Themen Leben und Geschichte behandeln. Die Kippot zeigen die Farben und das Wappen eines Fußballvereins.

Juddebube: Neuer Eintracht-Fanclub

Anmoderation: Heute geht es wieder los mit der Bundesliga und der Eintracht. Die Frankfurter spielen auswärts ab 15.30 Uhr gegen Union Berlin. Mit dabei werden auch Mitglieder der Juddebuben sein, des nicht nur jüdischen Fanclubs. Andrea Seeger von der evangelischen Kirche findet das beispielhaft.

Schalömsche" - so grüßen sich die "Juddebube" gern, die Mitglieder des ersten Eintracht-Fanclubs, der sich klar jüdisch versteht und gleichzeitig offen ist für alle. Seit dieser Woche hat der Club auch ein Logo: Einen siebenarmigen Leuchter - die Menora - in Form eines Adlers - Eintracht und Judentum grafisch verschmolzen. Mit dem jüdischen Symbol in der Fan-Kurve will sich der Fan-Club zeigen. Das sagt Renate Ruf, Eintracht-Fan "seit Ewigkeiten" und Gründungsmitglied. Zusammen wollen sie jüdisches Leben sichtbar machen - im Waldstadion und auf Auswärtsfahrten.

Ein Logo für jüdisches Selbstbewusstsein

Einer der Gründer beschreibt es so: "Wir wollen im Stadion stehen, singen, jubeln, fluchen. Als Juden." Das dürfte dem jungen Mann Mut machen, der seit acht Jahren in Frankfurt lebt und Eintracht-Fan ist. Er trägt bisher seinen Davidstern aus Vorsicht lieber versteckt unter dem Trikot.

Ein Name mit historischer Wunde

Juddebuben: Der Name trägt eine alte Wunde in sich. Gegnerische Fans beschimpften jüdische Eintracht-Spieler in den 1920er Jahren als "Juddebube". Ab 1933 begann die Eintracht, ihre jüdischen Mitglieder auszuschließen. Wer das weiß und trotzdem singt, trotzdem jubelt, trotzdem in der Kurve steht – der tut das mit einer Überzeugung, die tiefer reicht als Fußball.

Hinsehen, zuhören, widersprechen

Die Mitglieder wollen genau hinhören und -sehen. Der Hitler-Gruß beim Auswärtsspiel in Marseille, die homophoben Sprechchöre beim Gastspiel in Köln, das queerfeindliche Banner, das Eintracht-Anhänger in St. Pauli aufhängten - Misstöne gibt es so einige. Da gilt es, gegen anzugehen.

Ein Satz wie ein Gebet

Auf der Homepage des Fanclubs steht ein Satz, der fast wie ein Gebet klingt: „Wir sind offen für alle. Denn Eintracht fragt nicht nach Herkunft, Geschlecht oder Religion. Eintracht ist Zusammenhalt." Vielleicht ist das der eigentliche Glaube der Juddebuben – nicht nur an Gott, sondern an eine Gemeinschaft, die niemanden ausschließt. Ein Glaube, der singt, der weint, der jubelt. Der Frauen und Männer, Junge und Alte, trägt. Alle. Schalömsche, Eintracht.