hr1 ZUSPRUCH
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Kristen, Dr. Peter

Eine Sendung von
Dr. Peter Kristen,
Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

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Zwei junge Frauen sitzen auf einer Bank in einem Park. Die erste Frau, mit einem hellen Mantel, zeigt Mitgefühl und legt ihre Hand auf den Arm der zweiten Frau, die traurig aussieht und in ihren Händen ein Taschentuch hält. Herbstliche Bäume sind im Hintergrund zu sehen.

Hinhören statt belehren

Wenn's hart kommt, braucht es keine schnellen Erklärungen. Ein Impuls über Hiob, Zuhören und die Kunst, Verzweiflung einfach auszuhalten. Wenn's hart kommt, ist es gut, wenn man Freunde hat. 

Frauen oder Männer, denen ich wichtig bin und die für mich da sind, wenn ich sie brauche. Wenn eine Hiobsbotschaft kommt, ein tragisches Ereignis, ein Todesfall oder ein Unglück. Dann bin ich froh, wenn Freundinnen und Freunde mir beistehen, mit mir reden, sich einfühlen und meinen Schmerz teilen.

Manche wollen schnell Erklärungen finden

Doch manche fühlen sich aufgefordert, dann schnell eine Erklärung zu finden für meine Misere und halten ihre besten Ratschläge für mich bereit. So auch in der Geschichte, die den Hiobsbotschaften ihren Namen gegeben hat.
Der reiche Hiob verliert fast alles, was sein Leben ausmacht: Vermögen, Kinder, Gesundheit.

Die Freunde stehen bei, aber überschütten mit Erklärungen

Seine Freunde wenden sich nicht ab, sie stehen ihm bei. Und doch überschütten sie ihn mit ihren Erklärungen. Hiob muss selbst schuld sein an seiner beklagenswerten Situation, weil Gott doch gerecht ist, da sind sie sich einig. Heutige Freunde würden vielleicht sagen: „Shit happens", Pech, Schicksal, Karma oder dass es anderen noch viel schlechter geht.

Hiob bittet um echtes Hinhören

Hiob sagt zu ihnen: „So hört doch endlich auf meine Worte! Nur so könnt ihr mich wirklich trösten. Lasst mich reden, das müsst ihr schon ertragen! (Hiob 21,2) Was er sich in seiner Not wünscht, ist keine Erklärung, sondern echtes Hinhören. Darin liegt ein guter Hinweis für alle, die Menschen in Not begleiten wollen.

Zuerst anhalten und wirklich hinhören

Zuerst: Anhalten und hinhören. Wirklich hinhören. Sich auf das einlassen, was der andere erlebt, ohne davon selbst aufgefressen zu werden. Dann aushalten: Das Klagen und die Verzweiflung aushalten. Mit aushalten, dass es in manchen Augenblicken im Leben einfach keinen Sinn zu finden gibt.

Neues Vertrauen schöpfen ohne schnelle Erklärungen

Verzweifelte können so einen Anfang machen, neues Vertrauen schöpfen und dem, was passiert ist, mit der Zeit selbst einen Sinn geben. Das wissen gute Freunde: Anhalten und Aushalten sind besser als Erklärungen und Ratschläge - und manchmal ist genau das die größte Hilfe.