Heilig, himmlisch – und bald kostenpflichtig
Anmoderation: Der Kölner Dom ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Deutschland. Etwa 6 Millionen Menschen kommen jedes Jahr. Sein Unterhalt kostet: mehr als 40.000 Euro – täglich. Ab Juli sollen Besucherinnen und Besucher deshalb zahlen. Pfarrerin Lisa Maria Tumma aus Limburg fragt sich: Darf eine Kirche Eintritt nehmen?
Eintritt für den Kölner Dom?
10 Pfund, 50 Pence – und das war schon ermäßigt für Schülerinnen wie mich. Ich war 17, zum ersten Mal in London und wollte unbedingt die Kirche Westminster Abbey sehen. Aber dieser Preis? Zu viel für mein Taschengeld. Ich war enttäuscht, wütend. Und hab auf dem Absatz kehrt gemacht.
Kirchen sollen offen bleiben
So ähnlich wird es demnächst auch einigen gehen, die den Kölner Dom besuchen wollen. Ab Juli wird da Eintritt fällig - bis zu 12 Euro.
Finanzieller Druck auf Kirchen
Das ist nicht ganz neu. In Berlin, Lübeck oder Meißen sehen sich Kirchengemeinden schon länger dazu gezwungen. Bei uns in Hessen zum Glück noch nicht. Aber der Druck wächst.
Kirche für alle
Schade, finde ich. Denn Kirchen sollten offen sein für alle. Für die, die Ruhe suchen in der Mittagspause. Die hinter dicken Mauern durchatmen wollen, wenn’s draußen heiß ist. Manche kommen zum Beten. Andere wegen der Architektur, den bunten Fenstern, dem imposanten Blick nach oben.
Eintreten verändert
In einer Kirche ist für all das Platz. Man tritt ein und etwas verändert sich: die Weite, der Hall. Der Blick zieht nach oben - zum Licht, Richtung Himmel. Das berührt viele. Auch die, für die Glaube sonst keine Rolle spielt. Es fühlt sich erhebend an, heilig.
Zu voll und zu laut?
„Aber nicht bei mehr als 6 Millionen Besuchern jedes Jahr“, klagt eine Passantin vor dem Kölner Dom. Zu laut, zu voll. Ständig Kamera-Klicken und dicke Einkaufstüten.
Leben und Glauben zusammen
Ich denke: Ist doch eigentlich richtig, beides zusammen: Leben und Glauben. Einkaufstüten und Alltag - und über allem etwas, das mich nach oben zieht. Ich wünschte, das könnten auch zukünftig alle erleben – ohne Hürden, ohne Eintritt.
Hohe Kosten für Erhalt
Als Pfarrerin weiß ich aber auch: Es ist teuer, eine Kirche zu erhalten. Das war schon in meiner kleinen Dorfkirche schwierig. Für den Kölner Dom umso mehr. Daher verstehe ich diesen Schritt.
Trotz Herausforderung: Offen bleiben
Und die Kölner haben sich etwas einfallen lassen: Wer beten will, eine Kerze anzünden oder einfach kurz durchatmen, der kann das auch weiter. Kostenfrei – über einen Seiteneingang. Denn es braucht Räume, die anders sind: himmlisch, heilig. Offen für alle. Und zum Glück gibt es die - nicht nur in Köln, sondern auch überall hier bei uns.