Guter Hoffnung sein dürfen
„Guter Hoffnung“ steht als Titel auf einem Buch in der Buchhandlung. Klar, worum es geht: Gute Hoffnung kann ja nur Schwangerschaft bedeuten. Schließlich ist es ein feststehender Ausdruck. Wenn eine Frau schwanger ist, dann ist sie guter Hoffnung. Der Ausdruck ist schon einige Hundert Jahre alt und früher hat man ihn genutzt, um die Tatsache ein bisschen zu umschreiben. Heute ist das anders. Da dürfen wir die Dinge beim Namen nennen.
„Guter Hoffnung“: Die besondere Bedeutung eines alten Ausdrucks
Unsere Alltagssprache hat sich geändert; der Ausdruck „guter Hoffnung sein“ ist aber geblieben. Er ist noch bekannt und verständlich. Und trotzdem stolpere ich darüber. Warum sprechen wir gerade von der guten Hoffnung? Ist Hoffnung nicht an sich immer schon gut? Könnte Hoffnung denn überhaupt etwas anderes als gut sein?
Ich glaube, die Spannbreite von Hoffnung ist viel größer, als ich lange gedacht habe. Hoffnung bedeutet nicht automatisch, keine Angst mehr zu haben. Ich kann auf etwas hoffen – und gleichzeitig befürchten, dass es am Ende doch schiefgeht. Dann mischen sich Hoffnung und Sorge, Zuversicht und Zweifel.
Zwischen Zweifel und Zuversicht: Die Kraft der Hoffnung
Ich kann auch auf etwas hoffen und damit meinen: Ich bin zuversichtlich. Ich vertraue darauf, dass es gut wird. Ich weiß vielleicht noch nicht, wie, aber diese Spannung kann ich getrost aushalten.
Meine Hoffnung kann begründet und stark sein, aber auch leise und schwach. Egal, wie groß oder klein meine Hoffnung ist, entscheidend ist, dass ich welche habe. Denn wenn wenigstens ein bisschen Hoffnung da ist, dann kann sie wachsen und ich mit ihr.
Hoffnung im Alltag: Vertrauen trotz Unsicherheit
Der Ausdruck „guter Hoffnung sein“ beschreibt eine Haltung, die Schwangeren empfohlen wird: nicht verrückt machen, nicht ängstlich sein, sondern zuversichtlich sein, Vertrauen haben, an das Gute glauben. Ich glaube, der Ausdruck passt nicht nur für Schwangerschaften. Er passt immer, wenn es um Hoffnung geht. Und vielleicht ist das, was ich als Stolpern dabei erlebe, gerade das, worauf es ankommt: die Betonung, dass es um das Gute geht. Es gibt viele Arten von Hoffnung und die, mit der es mir am besten geht, das ist die eben gute Hoffnung. Die darf ich suchen und einüben. Dann könnten wir viel öfter sagen: Ich bin guter Hoffnung.
gesprochen von Stephanie Mosler