hr1 ZUSPRUCH
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Mosler, Stephanie

Eine Sendung von

Rundfunkbeauftragte, Fulda

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Friedenstauben über Stadt.

Frieden beginnt im Kleinen – auch wenn die Welt laut wird

Die Nachrichten dieser Tage sind schwer auszuhalten. Raketen, Explosionen, Angst. Der Krieg im Iran breitet sich aus, immer mehr Länder sind involviert. Menschen verlieren ihr Zuhause, ihre Sicherheit. 

In diesen Tagen merke ich ständig: Mit jedem Nachrichtenbild, mit jeder neuen Meldung wachsen in mir Fragen. Können die Menschen im Iran noch auf Frieden hoffen? Wie kann die Welt überhaupt noch Hoffnung haben? Und konkreter: Wie kann ich Hoffnung weitergeben?

Wenn die Welt laut wird

Kriege beginnen fast immer mit großen, markigen Worten: Sicherheit, Stärke, Vergeltung. Auch der seit fast einer Woche eskalierte Konflikt im Iran. Viel Leid mussten die Menschen dort über Jahrzehnte ertragen. Am Ende stehen immer Menschen im Mittelpunkt. Familien, Kinder, Nachbarn, Freunde. Menschen, die einfach nur leben wollen. So wie wir. Zerbrechlich wie wir. Vielleicht ist genau das ein hoffnungsvoller Gedanke: Wenn die Welt vor Gewalt schreit, braucht sie mehr Menschen, die leise bleiben – und gütig sind. „Selig sind die Friedensstifter“, heißt es in der Bibel. Ich finde, das ist kein romantischer Satz, denn Frieden stiften heißt definitiv nicht, wegschauen. 

Frieden beginnt im Kleinen

Frieden einzufordern heißt, kritisch zu bleiben gegenüber Macht, Propaganda und Gewalt. Frieden beginnt dort, wo Menschen sich weigern, Hass zum Maßstab ihres Handelns zu machen. Kann ich Friedenstifter sein? Können wir es als Gesellschaft? Von hier aus kann ich nichts ausrichten. Der Frieden wird - wenn er denn hoffentlich bald kommt - ganz woanders verhandelt. Dennoch bin ich überzeugt: Frieden beginnt ganz klein. Auch bei mir, im Büro, in der Schule, in der Familie. 

Hoffnung, die uns trägt

In einem Gespräch. In einem Gebet – oder, wenn man nicht betet, in einem Moment der stillen Hoffnung. Meine Hoffnung ist: Kein Krieg ist ewig. Auch der dunkelste Konflikt endet irgendwann. Die Frage ist nur: Welche Menschen stehen dann bereit, um eine friedlichere Welt wieder aufzubauen?

Vielleicht sind es nicht zuerst die Mächtigen. Vielleicht sind es die vielen, die man selten sieht: Menschen, die Verletzte versorgen. Die miteinander reden, obwohl sie auf verschiedenen Seiten stehen. Die ihre Kinder dazu erziehen, keine Feindbilder zu haben.

Frieden beginnt dort, wo Menschen sich weigern, die Hoffnung aufzugeben. 

Ich wünsche Ihnen heute einen Moment der Hoffnung – trotz allem.