hr1 ZUSPRUCH
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Arnold-Rammé, Pia

Eine Sendung von
Pia Arnold-Rammé,
katholische Pastoralreferentin im Ruhestand, Frankfurt

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Eine fröhliche Familiengruppe posiert zusammen auf einer Couch. Es sind fünf Frauen und drei Männer, darunter ältere und jüngere Personen. Einige halten kleine Hunde in den Armen. Alle lächeln und strahlen Freude aus. Die Umgebung ist hell und einfach gehalten.

Familie ist wunderbar?

„Denn zu Zeiten der Not bedarf man seiner Verwandten“ – so sagte es einmal Johann Wolfgang von Goethe. Oscar Wilde hält dagegen: „Ach, was für ein Kreuz sind doch diese öden Familiensimpeleien.“

Was stimmt denn nun? Familie - ein Anker in der Not, wie Goethe meint, oder doch eher ein Kreuz, so wie Wilde es erlebt?

Familie kann nerven – und trotzdem guttun

Wenn ich so auf meine eigene Familie schaue, dann kann ich nur sagen: Beides stimmt! Familie kann manchmal ganz schön nerven! Wenn ich mich zum Beispiel verpflichtet fühle, zu einer Familienfeier zu gehen, obwohl ich gar keine Lust dazu habe. Oder wenn Familienmitglieder sich einmischen in Dinge, die sie nichts angehen. Oder wenn manche Schwiegersöhne oder angeheiratete Schwägerinnen ziemlich nervig sein können. Da wäre ich manchmal am liebsten allein auf der Welt.

Wenn es darauf ankommt, ist Familie füreinander da

Aber dann wieder kann Familie auch richtig schön sein: bei einer gelungenen Familienfeier. Oder aber auch in der Not, wie Goethe sagt, wenn jemand krank ist oder zum Pflegefall wird; wenn kleine Kinder plötzlich ohne Betreuung dastehen; wenn wichtige Entscheidungen zu treffen sind. Dann habe ich Familie auch schon als wirklich hilfreich erlebt. Man kann sich aufeinander verlassen. Man steht sich bei, oft genügt ein Anruf. Und irgendwie fühle ich mich auch für Familienmitglieder verantwortlich, zu denen der Kontakt eigentlich gar nicht so intensiv ist.

Wahlverwandte können gegen Alleinsein helfen

Familienbande sind oft schon sehr verlässlich. Großfamilien oder ganze Sippen sind heute ja eher selten – aber auch kleinere Familien können sich gegenseitig stärken und stützen. Ich jedenfalls möchte meine Familie nicht missen. Und auch wenn Oscar Wilde recht hat, dass einem die Familie schon mal ziemlich auf den Geist gehen kann: Ich bin doch immer wieder froh und dankbar, nicht allein durch die Welt gehen zu müssen. Und wer keine Familie hat, an die er sich wenden kann? Vielleicht kann man sich ein Netz von „Wahlverwandten“ aufbauen, wie Goethe es nennt. Damit man nicht allein durch die Welt gehen muss.