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Findeis-Dorn, Christine

Eine Sendung von
Christine Findeis-Dorn,
Supervisorin/Coach DGSv, Wiesbaden, katholisch

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Gespräch unter Nachbarn am Gartenzaun. Zwei Männer und eine Frau unterhalten sich freundlich.

Die Leitidee meines Lebens?

Es hat mich im Tauschregal angelacht – ein dickes Buch mit buntem Umschlag und dem Titel: „Mit Herz und allen Sinnen“. Geschrieben von Anselm Grün, dem Benediktinerpater aus Franken. Von seinen sehr vielen Büchern haben mich schon einige inspiriert; also nehme ich es mit. Für jeden Tag gibt es eine Anregung, gerade mal eine Seite.

Was ist die Leitidee meines Lebens?

An einem der letzten Wochenenden schlage ich meinem Mann vor: „Lass uns doch mal die Inspiration zu heute lesen.“ Als Überschrift steht da: „Was ist die Leitidee meines Lebens?“ Innerlich gehen wir ein wenig in die Knie, wie angeschlagene Boxer im Ring. Kleiner geht es wohl nicht - die „Leitidee meines Lebens“?

Wie lässt sich ein ganzes Leben in einem Wort beschreiben?

Aber wir rappeln uns auf, lassen uns auf die große Frage ein. Zuerst reden wir viel, probieren dies und das. Dann packt uns der Ehrgeiz: Wir wollen die Leitidee unseres Lebens in einem Wort oder Halbsatz formulieren. Und kommen dabei zu spannenden Ergebnissen.

„Begegnung“ als Leitidee des Lebens

Bei mir läuft alles auf das Wort „Begegnung“ hinaus. Der Satz des jüdischen Religionsphilosophen Martin Buber hat mich schon seit meiner Jugend fasziniert: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Diesen Satz könnte man auch auf meinen Grabstein meißeln, finde ich. „Begegnung“ fasst die Anliegen meines Lebens gut zusammen, beruflich, privat, in meinem gesellschaftlichen Engagement.

„Verstehen“: Die Welt, andere und sich selbst besser begreifen

Mein Mann – ich darf es hier outen – landet beim „Verstehen“ als Leitidee. Die Welt, andere, aber auch sich selbst besser verstehen – darin ist er wirklich unermüdlich – und mir oft ein großes Vorbild.

„Verbinden“: Menschen, Orte und Kulturen zusammenbringen

An diesem Sonntag ist auch ein guter Freund zu Besuch. Beim Frühstück tischen wir ihm mit leckeren Brötchen auch unsere neue Frage auf: „Was ist die Leitidee meines Lebens?“ Er kennt das schon, dass es bei uns gerne auch mal philosophisch zugeht. Und gemeinsam entdecken wir für ihn das „Verbinden“: Als Ingenieur hat er U-Bahnen mitentwickelt, sie verbinden Orte auf der ganzen Welt miteinander – und in seiner Ehe verbinden sich zwei Kulturen und Religionen.

Es sich lohnt, über den eigenen Lebenssinn nachzudenken

„Was ist die Leitidee meines Lebens?“ Ich finde: Dieser Frage nachzugehen lohnt sich. Und kann sogar richtig Spaß machen.