hr1 ZUSPRUCH
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Griesel, Tanja

Eine Sendung von

Evangelische Schulpfarrerin, Fritzlar

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Die C-Note

„I have a dream…“ Diese Worte gehören zu der bekanntesten Rede von Martin Luther King. 1963 hielt er sie in Washington vor rund 250.000 Menschen. Sie sind damals friedlich für Freiheit und Gleichberechtigung auf die Straße gegangen. 

Nur eine mittelmäßige Schulnote in „Public Speaking“ für den großen Redner

Der 16. Januar ist der Martin Luther King Day. Über ihn wurde schon viel gesagt und geschrieben. Aber ein kleines Detail aus seiner Biografie hat mich besonders überrascht: King war nicht immer ein großer Redner. In der Schule bekam er nur eine Durchschnittsnote in „Public Speaking“. Eine C-Note. Mittelmäßig für jemanden, dessen Worte später Millionen bewegen würden.

Ein junger Mensch, der noch lernen muss

Ich stelle mir vor, wie er als Jugendlicher vor der Klasse steht. Nervös, unsicher, die Stimme zittert ein wenig. Er ordnet die Gedanken. Sucht die Worte. Er ist kein fertiger Redner. Ich sehe einen jungen Menschen, der noch lernen muss. Die Note sagt nichts über sein Potenzial aus.

Martin Luther King übte das Reden und glaubte an das, wofür er brannte

King hat geübt. Er hat seine Reden laut vor sich selbst gehalten. Er hörte den Predigern in den Kirchen zu. Er las Reden von Abraham Lincoln und studierte Gandhi. Er probierte, verwarf, änderte. Er holte sich Rückmeldungen von Freunden. Er bereitete sich vor. Er glaubte an das, wofür er brannte. Nicht an Techniken allein. Sondern daran, dass seine Überzeugung Menschen erreichen kann.

Mit Geduld und Übung kann man über sich hinauswachsen

Ich denke an Aufgaben, bei denen ich ins Stocken gerate. An Momente, in denen ich unsicher bin. Ich merke: Wer für etwas brennt, kann über sich hinauswachsen. Schritt für Schritt. Mit Geduld und Übung. Das macht den Unterschied.

Die C-Note war nur ein kurzer Moment im Leben von Martin Luther King

Neben all dem, was Martin Luther King bewegt hat, gefällt mir dieses Detail aus seiner Biografie besonders gut. Es macht ihn mir nahbar. Herrlich unperfekt und menschlich. Die C-Note ist kein Versagen. Sie ist nur ein Moment. Sie zeigt: Wir können wachsen. Wenn wir üben. Wenn wir an das glauben, was uns wichtig ist. Wie Martin Luther King.