hr1 ZUSPRUCH
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Zwei Kinder, ein Mädchen und ein Junge, stehen sich gegenüber und halten sich an den Händen. Sie lächeln einander an, während sie die Hände schütteln. Im Hintergrund sind unscharfe Figuren zu sehen, die auf einem Weg stehen. Die Szene vermittelt Freude und Freundschaft.

Der Faden, der Fremde verbindet

Ein Wollfaden kann helfen, andere Menschen kennenzulernen. Er kann aus Fremden Vertraute machen. Das habe ich im Sommer erlebt.

Eine Woche auf Iona: Was passiert, wenn Fremde zusammenkommen?

Ich war für eine Woche auf Iona in Schottland, in einem alten Kloster mit 50 fremden Menschen aus aller Welt. Die meisten kannten sich vorher nicht. Am ersten Tag bekam jede und jeder einen Wollfaden als Erkennungszeichen. Er sollte zeigen: Du gehörst hierher. Wir sollten ihn ums Handgelenk binden.

Hilfe annehmen beim Faden binden

Aber das ging nicht allein. Einen langen Faden eng ans eigene Handgelenk binden, das schafft man nicht ohne Hilfe. Also fragte ich meinen Sitznachbarn, ob er mir das Band umbindet, und er bat mich um das Gleiche. Aus dem Einlasssymbol wurde ein Kennenlernritual.

Welche Rolle gegenseitige Hilfe im Alltag spielt

Auch in den Tagen danach gab es viele Gelegenheiten zu helfen. Alle haben mitgewirkt: in der Küche, beim Tischdecken oder beim Aufräumen. Und wir haben uns auch mit Sorgen und Glaubensfragen um Hilfe gebeten. Wir haben unsere Geschichten geteilt, zusammen gelacht, geweint und gebetet. So waren wir nach wenigen Tagen nicht mehr Fremde, sondern Vertraute. Vielleicht gerade, weil wir um Hilfe gebeten haben.

Was hilft beim Ankommen und Verbinden?

Jetzt nach den Sommerferien ist auch wieder eine Zeit, in der viele neue Begegnungen anfangen. Ein neues Schuljahr beginnt. Neue Klassen, neue Kolleginnen und Kollegen, neue Projekte, eine neue Zeit. Da braucht man manchmal genau das: einen kleinen Faden, einen ersten Kontakt, einen Menschen, der hilft.

Erinnerung an Iona: Was kann ein Symbol im Alltag bewirken?

Da denke ich an den Faden von Iona. Er erinnert mich daran: Es kann gelingen, mit Fremden warm zu werden. Wenn ich um Hilfe bitte oder selbst helfe. Der Faden aus Iona ist jetzt ein Lesezeichen in meinem Kalender. Und an diesen Faden will ich anknüpfen: Hilfe nicht als Schwäche sehen, sondern als Anfang von Beziehung. Manchmal verbindet uns genau das, was wir geben und erbitten.