CSD: Trauer - und trotzdem Hoffnung
Anmoderation: Eine Woche ist der schreckliche Anschlag auf den CSD in Berlin jetzt her. Heute (am 1. August 2026) gehen wieder Menschen auf die Straße und demonstrieren für die Rechte queerer Menschen. Ein wichtiges Zeichen – gerade jetzt. Das findet auch Pfarrerin Lisa Maria Tumma aus Limburg im hr1 Zuspruch:
„Segen für dich.“ So steht es auf unserem Schild - am Stand der Kirche, beim CSD in Frankfurt vor ein paar Wochen. Eine Frau bleibt davor stehen - graue Locken, schwarzes T-Shirt, um den Hals ein Tuch mit Regenbogen. Sie liest das Schild, schaut zu mir – der Pfarrerin im Talar - und sagt: „Mit der Kirche hab‘ ich es nicht so, aber Segen kann ja nicht schaden.“ Ich lache. Wir wechseln ein paar Worte.
Segen beim CSD Frankfurt
Dann schließt sie die Augen. Ich lege meine Hände auf ihre Schultern und sage: „So wie du bist, hat Gott hat dich gemacht. Und Gott hat dich wunderbar gemacht. Das sollst du wissen und spüren - durch Gottes Segen, an jedem Tag.“ (nach Psalm 139). Während ich das sage, denke ich: Noch immer erleben queere Menschen oft das Gegenteil.
Queer und ausgegrenzt
Sie hören, dass es nicht richtig ist, wen sie lieben, wie sie leben. Sie werden beschimpft, bedroht, angegriffen. Zuletzt beim Anschlag auf den CSD in Berlin. Eine Frau wurde getötet, Dutzende verletzt. Viele haben Angst – nicht erst seit letzter Woche. Die Gewalt gegen queere Menschen nimmt zu. Schon seit Jahren.
Gegen Hass aufstehen
Umso wichtiger, dem Hass etwas entgegenzustellen. Deshalb gehen auch in dieser Woche wieder Menschen gemeinsam auf die Straße. Sie demonstrieren für die Rechte von Schwulen, Lesben, Transpersonen – für eine vielfältige Gesellschaft. Sie stehen zusammen gegen die Angst. Und sie feiern die Liebe, die stärker ist als der Hass.
CSD in Hessen
Auch bei uns in Hessen. In Schlüchtern im Mainz-Kinzig-Kreis findet heute ein CSD statt. Die Teilnehmenden sind eingeladen, diesmal schwarz zu tragen. Als Zeichen der Trauer. Aber auch als Symbol für Stärke und Haltung. Die habe ich auch gespürt - bei der Frau auf dem CSD in Frankfurt.
Segen gibt Kraft
Während ich den Segen spreche, richtet sie sich auf. Als würde sie größer, stärker. Sie hat Tränen in den Augen. „Ja, genau richtig gemacht von Gott“, sagt sie. „Ich finde: Das sollten alle wissen.“ Wirklich alle.
Das Foto zeigt die Solidaritätskundgebung auf dem Frankfurter Römerberg am 26. Juli 2026 für die Opfer des Anschlags auf den CSD Berlin.