hr1 ZUSPRUCH
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Clausing, Mareike

Eine Sendung von

Evangelische Pfarrerin, Christus-Gemeinde Dietzenbach

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Zwei Männer stehen nebeneinander, mit dem Rücken zur Kamera, und schauen auf das Sonnenlicht am Horizont. Sie tragen karierte Hemden und einer von ihnen hat seinen Arm um den anderen gelegt, was eine freundliche und vertraute Atmosphäre schafft.

Wenn aus Feinden Freunde werden

Bassam Aramin ist Palästinenser, Rami Elhanan Israeli. Neulich habe ich von ihnen gelesen.[1][2]Beide haben ihre Töchter verloren durch den Nahostkonflikt. Zwei Väter, zwei Töchter – zwei Geschichten, die eigentlich von Wut und Hass erzählen könnten. Aber sie tun es nicht.

Zwei Väter im Nahostkonflikt

Rami und Bassam gehören zum „Parents Circle“[3]. Das ist ein Netzwerk von israelischen und palästinensischen Familien, die jemanden durch Gewalt verloren haben. Dort haben sie sich kennengelernt und sind Freunde geworden. 

Es ist sicherlich keine Freundschaft, die es leicht hatte. Eher eine Freundschaft als Zeichen: Die Entscheidung gegen den Hass und für den Frieden.

Feindesliebe im Alltag – wie soll das gehen?

Jesus sagt: „Liebt eure Feinde […], tut Gutes denen, die euch hassen“ (Lukas 6,27-38). Ich habe mich immer gefragt, wie das gehen soll. Ich merke ja schon bei mir selbst, wie schwer das ist - mit einer Verletzung umzugehen. Wie viel mehr Kraft muss es die beiden Väter kosten? Wenn ich ihre Geschichte höre, kann ich kaum glauben, dass man das hinbekommt. Sie haben beide ihre Töchter verloren, weil Menschen sich hassen. Aber sie sind einander nah – obwohl sie von verfeindeten Seiten kommen. 

Frieden stiften: Ein Weg, kein Zustand

Die Geschichte von Rami und Bassam zeigt: Feinde lieben, d.h. auch Frieden stiften. Das geht nicht einfach so. Es ist ein Weg. Dazu braucht es Menschen, die sich verletzlich machen, die sich trauen zu lieben, wo Hass leichter wäre.

Schmerz kann verwandeln 

Rami und Bassam sind solche Menschen. Sie sagen: „Wir können den Schmerz nicht ändern. Aber wir können entscheiden, was er mit uns macht.“ Sie besuchen deshalb Schulen und Gemeinden. Manchmal werden sie beschimpft oder bedroht. Und trotzdem erzählen sie weiter. „Wenn wir, die den höchsten Preis bezahlt haben, miteinander reden können- dann kann es jeder“, sagen sie. Weil sie daran glauben: Begegnung kann heilen. Worte können etwas verändern. Und aus Feinden können Freunde werden – nicht über Nacht, aber Schritt für Schritt.

[1] https://taz.de/Versoehnung-in-Israel-und-Palaestina/!6117496/
[2] https://www.zeit.de/familie/2025-09/rami-elhanan-bassam-aramin-parents-circle-israel-palaestina-nahostkonflikt-gxe
[3] https://www.theparentscircle.org/en/homepage-en/