Monster, die Mut machen
Alte Seekarten find ich spannend. Vor allem aus der Glanzzeit der Segelschiffe. Also der Zeit vor ein paar hundert Jahren. Bei mir lösen sie ein Kopfkino aus. Ich hab Filmpiraten wie Jack Sparrow vor Augen. Aber auch echte Expeditionen. Die sich bis an den Rand der damals bekannten Welt gewagt haben. Und oft darüber hinaus.
Monster tauchten auf, wo ein weißer Fleck sein sollte
Vor kurzem hab ich die Chance gehabt, Abbildungen von solchen Karten mal genauer zu betrachten. Dabei bin ich oft an besonders bizarren Details hängen geblieben, die sich häufig auf den Karten finden: an Monster-Bildern. Riesige Seeschlangen recken ihre Köpfe aus dem Meer. Drachen blecken die Zähne. Die Monsterbilder finden sich meist dort, wo ein weißer Fleck sein sollte. Denn oft hat man gar nicht gewusst, wie es in der jeweiligen Weltgegend wirklich aussieht.
Dann haben sie sich quasi in Luft aufgelöst
Mit dem Stand von heute weiß ich natürlich: Dort, wo sich auf alten Karten die Monster tummelten, sind auf aktuellen Karten Inseln und Städte verzeichnet. Harmlose Informationen haben die kunstvollen Horror-Galerien verdrängt. Wenn ich daran denke, dass die Monster sich quasi in Luft aufgelöst haben, muss ich schmunzeln. Aber ich weiß: Wirklich schlauer als die Karten-Maler von damals bin ich im Alltag nicht. Denn Unbekanntes macht mich schnell übertrieben nervös. Dann denk ich mir auch Hirngespinste aus. Auch wenn sie anders aussehen als Drachen.
Meine übertriebenen Ängste waren unbegründet
In meinem früheren Job hab ich mir zum Beispiel einmal eine geplante Präsentation wochenlang als Katastrophe ausgemalt. Ich musste mich nämlich rasch in ein neues Thema einarbeiten. Vor Angst hab ich überlegt, alles abzublasen. Dann hab ich mich aufgerafft. Und der Termin ist letztlich okay gewesen. Niemand aus dem Publikum hat mich gefressen. Schon gar keine Seeschlange. Meine übertriebenen Ängste waren unbegründet. Und hätten mich fast um einen kleinen Karriereschub gebracht.
Angst soll mich nicht hindern, Neues zu versuchen
Die Angst-Mechanik bei Unbekanntem funktioniert bei mir letztlich genauso wie vor hunderten von Jahren. Wenn ich darüber nachdenke, find ich die kuriosen Kartenmonster, die sich in Luft aufgelöst haben, wie einen positiven Denkanstoß. Einen Motivationsschub. Sie erinnern nämlich daran: Bei aller berechtigter Vorsicht sollte ich die Angst vor Unbekanntem nie zu groß werden lassen. Damit sie mich nicht lähmt. Und mich hindert, Neues zu versuchen. Der Gedanke sorgt ein gutes Gefühl. Gerade jetzt: am Anfang des neuen Jahres - mit seinen vielen Unbekannten.