Fenster zum Himmel
Um mich herum ist alles dunkel. Kein Ausweg zu finden. Hilflos. Plötzlich öffnet sich ein Fenster, ein Fenster zum Himmel. Licht flutet herein. Der dunkle Raum wird hell. Eben noch hilflos gefangen, finde ich plötzlich einen Ausweg. Was für eine Erleichterung! Was für eine Freude. Gibt es so ein offenes Fenster zum Himmel auch am Ende des Lebens?
Ostern: Auferstehung, leeres Grab und neue Hoffnung
Das Osterfest sagt: Ja. Ostern ist aus christlicher Sicht das Fest der Auferstehung. Es erinnert daran: Jesus ist auferstanden von den Toten. Wirklich? Wie soll das gehen? Er starb doch am Kreuz. Wurde begraben. (Markus 15,42-16,8) Das Grab war fest verschlossen – mit einem großen Stein. Kein Ausweg mehr. Tot. Das war’s. Oder gibt es am Ende doch noch einen Ausweg?
Offensichtlich ja. Denn zwei Tage nach dem Tod Jesu hat sich etwas getan am Grab. Der Stein ist beiseite gewälzt. Das Grab ist leer. Jesus ist auferstanden. So erzählen es die biblischen Geschichten. Die Botschaft dahinter: Der Tod ist nicht ausweglos. Es gibt einen Weg nach vorne - in ein anderes Leben bei Gott. Nicht nur für Jesus – für alle Menschen. Was für eine Hoffnung! Was für eine Freude.
Zweifel und Fakten-Check: Der „ungläubige“ Thomas im Osterlicht
Doch viele sind skeptisch. Das war schon immer so. Zweifel gab es von Anfang an. Auch bei den Freunden und Jüngern von Jesus. Als die hören, dass das Grab leer ist, schütteln sie den Kopf. Sie können es nicht glauben, halten es für ein Gerücht oder einen schlechten Scherz. Der bekannteste Zweifler ist der Apostel Thomas – er trägt bis heute den Beinamen „der Ungläubige". Ich würde ihn aber eher als Fakten-Checker bezeichnen. Er will handfeste Beweise für die Auferstehung. Und die bekommt er. Die Bibel erzählt: Der auferstandene Jesus geht persönlich auf ihn zu. Thomas darf ihn sogar berühren. (Johannes 20,24ff)
Wie öffnet sich der Himmel im Alltag?
Einen so handfesten Beweis gibt es heute nicht. Aber es gibt Hinweise. Ähnliche Erfahrungen. Nicht nur am Ende des Lebens. Auch mittendrin kann sich der Himmel öffnen – ganz unverhofft. Davon handelt ein Song der Popgruppe U2: „Windows in the Skies" – Fenster zum Himmel. Es geht um ein Liebespaar. Deren Beziehung war so zerrüttet, da war eigentlich nichts mehr zu retten. Verletzen, streiten, weinen. Eigentlich müsste die Liebe längst erloschen sein. Aber sie war es nicht. Sie stand wieder auf.
Ein Wunder, das sich anfühlt wie Auferstehung. Passend heißt es in der ersten Strophe: „Die Fesseln sind gelöst. Die Regel wurde widerlegt. Der Stein wurde bewegt. Das Grab ist jetzt nur noch eine Rinne. Alle Schulden sind getilgt.“
Musik 1: „Windows in the Skies“ von U2
Auferstehung verstehen: Was bedeutet sie – und was nicht?
„Der Stein wurde bewegt. Das Grab ist leer.“ So heißt es in dem Song. Er spielt auf das Ostergeschehen an, auf den Tod und die Auferstehung von Jesus.
Aber: Wie ist das eigentlich? Was erwartet mich – bei der Auferstehung? Ich weiß es nicht genau. Niemand weiß das. Es gibt jedoch Hinweise. Die sagen zumindest, was Auferstehung nicht ist: Auferstehung heißt nicht, dass ich in das bisherige Leben zurückkehre, es geht nicht einfach in die Verlängerung. Man erfindet sich dabei auch nicht selbst neu – also kein Neustart als jemand anderes. Keine Wiedergeburt, keine zweite oder dritte Chance hier auf Erden.
Das Geheimnis der Auferstehung
Aber was dann? Die Auferstehung bringt etwas ganz Neues. Ganz anderes. Eine neue Art zu sein – sie übertrifft alles, was ich kenne. Insofern umgibt die Auferstehung ein Geheimnis. Das kann ich jetzt noch nicht ganz lüften. Ich kann nur andeuten, wie es sich zeigen und anfühlen könnte.
Kern des christlichen Glaubens
Klar ist: Dieses Geheimnis ist ein Grundpfeiler des christlichen Glaubens. Ohne die Hoffnung auf Auferstehung würde von Jesus wenig übrigbleiben. (1.Korinther 15) Dann wäre er nur ein Prediger der Liebe gewesen, der am Leben gescheitert ist. Ein Idealist, der als trauriger Märtyrer starb.
Doch Jesus ist eben mehr als das. Er ist der Auferstandene, der den Himmel geöffnet hat. Dieses Bild umschreibt, was Gott in Aussicht stellt: Der Tod wird nicht das letzte Wort haben, sondern das Leben. Die Angst wird nicht das letzte Wort haben, sondern die Hoffnung. Leiden wird nicht das letzte Wort haben, sondern die Freude. Hass und Gewalt werden nicht das letzte Wort haben, sondern die Liebe.
Mitten im Leben: Wo wird die Auferstehung heute spürbar?
Für dieses Versprechen steht Jesus persönlich ein. Er hat es vorgelebt. Bis in den Tod – und darüber hinaus. Und sein Versprechen löst er nicht erst am Ende des Lebens ein. Sondern hier und da auch schon mitten im Leben.
Das klingt an im Song von U2. Darin heißt es über eine fast gescheiterte Liebesbeziehung sinngemäß: „Der Hass wurde in die Knie gezwungen. Der Himmel über unseren Köpfen ist zum Greifen nah.“
Musik 2 „Windows in the Skies“ von U2
Wie die Auferstehung Mut macht
Der Himmel – zum Greifen nah. Die Auferstehung Jesu macht mir Mut. Sie lässt mich hoffen - und viele andere auch. Diese Hoffnung wird meist dann laut, wenn sie gebraucht wird. Sie zeigt sich ganz verschieden im Lauf des Lebens. Zum Beispiel wenn ich krank bin. Wenn ich keinen Ausweg mehr weiß. Wenn ich vor den Trümmern meines Lebens stehe. Wenn ich denke: „Jetzt ist eigentlich alles aus.“ Dann kann ich mich erinnern: „Das hier ist nicht das Ende. Da kommt noch etwas anderes. Gott hat noch mehr mit mir vor.“ Das trägt. Ich kann daraus Mut schöpfen und Kraft zum Durchzuhalten. Bis sich eine bessere Zeit auftut.
Trost in Trauer: Wird es ein Wiedersehen geben?
Die Auferstehung ist aber auch eine Quelle für Trost: Beim Trauern um einen lieben Menschen, der verstorben ist. Er fehlt mir. Trauern tut weh. Dabei tröstet mich, dass ich hoffe: „Eines Tages werde ich ihn wiedersehen – und auch die anderen, die ich liebe und jetzt schmerzlich vermisse.“
Auferstehung und Gerechtigkeit: Sieht Jesus das Leid der Welt?
Auferstehung – das ist nicht nur etwas für mich persönlich - und alle anderen. Sie geht weiter – verändert auch die Welt. Verändert den Blick: An vielen Orten leiden Menschen, Unrecht geschieht. Viele bleiben damit scheinbar allein. Aber zur Auferstehung gehört die Idee: Jesus sieht sie. Er schaut auf jedes Leben und würdigt es. Jesus sieht das Leiden an und wird die Wunden heilen. Er sieht Ungerechtigkeit und Gewalt und wird die Schuldigen zur Verantwortung ziehen. Damit alle Menschen Gerechtigkeit und Liebe erfahren. Am Ende geht nichts und niemand verloren. Das zu glauben tut mir gut.
Vom Auferstehen zum Aufstehen: Christliche Hoffnung als Widerstand
Gerechtigkeit und Liebe, dafür steht Jesus ein. Nicht erst irgendwann, sondern schon jetzt. Deshalb erlebe ich seine Auferstehung auch als Impuls zum Aufstand. Es gibt eine Verbindung zwischen Auferstehen und Aufstehen. Aufstehen gegen Hass und Gewalt, gegen Unterdrückung und Unrecht. Für Frieden, für Liebe, für Gerechtigkeit. Jetzt gibt es noch viele dunkle Räume. Dort regieren Gewalt und Verachtung. Davon sind insbesondere die Menschen in den Kriegsgebieten betroffen. Aber auch hier gibt es Orte der Gewalt. Zum Beispiel in lieblosen Beziehungen und Familien. Doch das soll nicht so bleiben.
Fenster zum Himmel: Warum am Ende die Liebe das letzte Wort hat
Weder Hass noch Gewalt, und nicht einmal der Tod, werden das letzte Wort haben, sondern die Liebe. Dafür steht der auferstandene Jesus persönlich ein. Darauf können viele hoffen. Mitten im Leben und am Ende des Lebens. Das macht mich zuversichtlich und das setzt bei mir auch eigene Kräfte frei.
Das Fenster zum Himmel ist geöffnet. Darüber staunt U2 in dem Song „Windows in the Skies". Im Refrain heißt es: „Schau was die Liebe bewirkt. Für jedes gebrochene Herz, das weint. Die Liebe hat ein Fenster am Himmel hinterlassen.“
Musik 3: „Windows in the Skies“ von U2