Auf der Suche nach dem Leben – Ostern beginnt im Herzen
Katholischer hr4 Radiogottesdienst an Ostersonntag, 05.04.2026, 10:05 - 11.00 Uhr, aus der Stadtpfarrkirche St. Jakobus in Hünfeld.
Hier bei hr4 können Sie im Radio und Internet live den Gottesdienst hören und mitfeiern.
Nach dem Gottesdienst können Sie mit Pfarrer Dr. Michael Müller und Gemeindereferentin Ayleen Nüchter sprechen: Sie sind bis 12.00 Uhr telefonisch erreichbar unter der Nummer 06652/992230.
Zelebrant + Prediger: Pfarrer Dr. Michael Müller
Musikalische Leitung: Regionalkantor Christopher Löbens
Kirchliche Redaktion: Stephanie Mosler und Luca Karsai
Predigt:
Liebe Hörerinnen und Hörer von hr4, liebe Gemeinde hier in der Stadtpfarrkirche St. Jakobus!
Haben Sie sich heute schon auf die Suche gemacht? Ostern ist das Fest des Suchens. Viele Eltern und Großeltern haben sich heute Morgen früh aufgemacht, um im Garten oder in der Wohnung bunte Ostereier zu verstecken. Mit Begeisterung suchen die Kinder die Osternester und freuen sich über jede Entdeckung. Dieser Brauch, der seine Wurzeln im 17. Jahrhundert hat, erinnert an die christliche Auferstehung.
Maria Magdalena auf der Suche
Unsere Pfarrei hier im Hünfelder Land trägt seit ihrer Gründung Anfang 2023 den Namen der heiligen Maria Magdalena. Es geht ihr wie den vielen Kindern heute Morgen: Es hält sie nichts mehr. Nach der Katastrophe des Karfreitags, an dem sie den Menschen verloren hat, dem sie ein neues Leben verdankt, macht sie sich auf den Weg. Aber dieser Weg wird zur Suche am Ostermorgen. Das Grab ist leer. Die Welt, die für sie beim Tod Jesu zusammengebrochen war, scheint wie von einem neuen Erdbeben erschüttert.
Sie steht vor dem Grab und weint. „Warum weinst du?“, fragt sie der Engel. Und als sie sich umblickt, meint sie, einen Gärtner vor sich zu haben. „Sag mir doch, wohin du ihn gelegt hast?“
Menschen suchen Gott und umgekehrt
Diese Suche am Ostermorgen im Garten hat ihr Spiegelbild in einer anderen großen biblischen Erzählung, mit der die Osternacht beginnt. Es ist der biblische Schöpfungsbericht, der jedes Jahr an Ostern gelesen wird - dem Fest der Schöpfung, dem Fest des Lebens.
Auch hier begegnet uns das Bild des Gartens: des Gartens, in den Gott den Menschen, Adam hineingestellt hat. Nachdem Adam vom Baum des Lebens gegessen hat, obwohl Gott es ihm verboten hatte, kommt Gott und macht sich auf die Suche nach dem Menschen: „Adam, wo bist du?“
In Jesus Christus - in seinem Leben, seinen Begegnungen mit den Menschen, und schließlich in seinem Leiden und in seinem Tod am Kreuz - stellt Gott diese Frage neu: „Mensch, wo bist du?“ Und diese Frage kommt aus seiner innersten Liebe zu uns Menschen. Es ist die Frage des Vaters, die Frage der Mutter, die ihr Kind suchen, das sie verloren haben.
Ein entscheidender Moment
Ich bin beeindruckt von Maria Magdalena, die sich nicht versteckt wie Adam, die sich nicht einschließt wie die Apostel. Sie überwindet ihre Angst und macht sich auf die Suche. Die Gestalt des Gärtners stellt ihr erneut die Frage des Engels: „Frau, warum weinst du?“ und fügt hinzu: „Wen suchst du?“ Hilflos und verwirrt antwortet sie: “Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir wohin du ihn gelegt hast! Dann will ich ihn holen.“
Da ereignet sich das Wunder: „Maria!“ Er kennt ihren Namen. Und im Klang dieses Namens dringt die vertraute Stimme in ihr Herz. Liebe Schwestern und Brüder im Glauben: Ist dies nicht faszinierend? Wir glauben als Christen an einen Gott, der sich suchen lässt. Auch heute lässt er sich finden. Auch heute bricht neues Leben an, wenn sich Menschen im Herzen berühren lassen von der Not des anderen. Wenn Klagende ein offenes Ohr und eine schützende Hand finden. Wenn Menschen den stummen Schrei der Ausgebeuteten nicht überhören. Wenn Unversöhnte den ersten Schritt zueinander wagen. Wenn Menschen sich für den Frieden öffnen. Wenn Schwierigkeiten und Sorgen von Zuversicht überstrahlt werden. Wenn Sterbende ihr Leben in Gottes Hand dankbar zurückgeben.
Ostern ist das Fest der Suche und das Fest des Findens.