Siehe, ich mache alles neu – die Jahreslosung 2026
Knappe acht Stunden ist das Neue Jahr jetzt alt. So langsam wird es hell. Und egal, ob der Tag sonnig wird oder trübe – der 1. Januar fühlt sich frisch an: Ein Neubeginn. Ich denke an eine oft zitierte Zeile aus dem Gedicht ‚Stufen‘ von Hermann Hesse: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“
Zauberhaft – wirklich?
Der Jahresbeginn – zauberhaft?
Ja und Nein. Hoffnungen und Ängste mischen sich. So viel, was ich mir und uns wünsche: Leben in Frieden, Gerechtigkeit, etwas gegen den Klimawandel tun. Natürlich habe ich auch persönliche Wünsche: Gesundheit für meine Lieben und für mich, den Anforderungen im Beruf gerecht werden, ein gutes Miteinander mit Freunden und Familie.
Wünsche und Sorgen
Und zugleich sind die Wünsche Spiegel meiner Sorgen.
Da sind auch noch die guten Vorsätze, die ich mir selbst vorgenommen habe – gesünder leben, mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben nehmen … wie ich mich kenne, haben die leider oft nur eine kurze Halbwertszeit.
Hoffnung in schweren Zeiten
Ob es Hermann Hesse im Jahr 1941 auch so ging, als er dieses Gedicht schrieb? Das waren auch keine einfachen Zeiten. Krieg, Unrecht, Gewalt. Woran sich halten, worauf vertrauen, hoffen?
Die Jahreslosung als Gegenwort
Seit den 1930er Jahren wird für jedes Jahr eine sogenannte „Jahreslosung“, ein Vers aus der Bibel, ausgewählt. Damals wurde bewusst diese biblische Losung gegen die Parolen der Nazis gesetzt, die die Botschaft der Bibel bekämpften.
Ein Leitwort für viele
Seit den 1960er Jahren wählt ein ökumenisches Gremium die Jahreslosung aus, sie gilt vielen katholischen und evangelischen Christen inzwischen als Leitwort für ein ganzes Jahr. Die Jahreslosung bietet spirituelle Orientierung und macht Mut, den christlichen Glauben im Alltag in Wort und Tat umzusetzen.
Die Losung für 2026
Für das Jahr 2026 lautet die Jahreslosung:
„Siehe, ich mache alles neu.“
Dieser Bibelvers steht ganz hinten in der Bibel, im vorletzten Kapitel der Offenbarung des Johannes. Das Buch der Offenbarung wird auch „Apokalypse“ genannt.
Keine Weltuntergangsbotschaft
Die Bibel ist aber keine Weltuntergangslektüre. In der Offenbarung geht es darum, was Gottes Plan mit der Welt ist. Da lohnt sich ein genauerer Blick.
Musik
Gott als der Handelnde
„Siehe, ich mache alles neu.“ Gott sagt das, so schreibt Johannes. Er ist ein Seher und hat diese Vision: Gott wird all das Leid in der Welt abschaffen, sogar den Tod, er wird für Gerechtigkeit sorgen: alles wird gut. Gott ist das „ich“ in diesem Satz. Offensichtlich ist Gott ein Macher.
Kann ich dieser Verheißung trauen?
„Siehe, ich mache alles neu.“ So gern würde ich dieser Jahreslosung trauen. Dann brauche ich vor nichts mehr Angst zu haben, es gibt keine Krankheit mehr, ein gerechter Frieden herrscht. Gott macht alles neu.
Zu schön, um wahr zu sein?
Und wenn ich meine guten Vorsätze nicht umsetzen kann, macht Gott dann einfach so aus dem Sofasitzer einen Läufer?
Ich bin sicher, so einfach ist das nicht. 2026 wird sich trotz dieser Losung nicht alles automatisch zum Guten wenden.
Hoffnung am Ende der Zeiten
„Siehe, ich mache alles neu.“ – Johannes der Seher hofft darauf am Ende der Zeiten. Er selbst lebt in einer schwierigen Zeit: Er und seine Mitchristen erfahren im römischen Reich Verfolgung, Unrecht und Leid.
In allen schwierigen Situationen vertraut er jedoch darauf: Leid, Not und Tod haben nicht das letzte Wort – so, wie Gott am Anfang die Welt gut geschaffen hat, so wird auch am Ende der Welt alles gut sein.
Das große Aber Gottes
Auch 2026 wird es dunkle Tage geben und vielleicht werde ich manchmal das Gefühl haben, die große und meine kleine Welt gehen unter. Für mich ist die Jahreslosung das große „Aber“ Gottes. Die dunklen Zeiten sind nicht alles und nicht immer bleibt es dunkel. In der Offenbarung wird das so ausgedrückt: „Gott wird alle Tränen abwischen und Leid und Tod werden nicht mehr sein.“ (Off 21,4)
Nicht nur Jenseitshoffnung
So eine Welt kann ich nicht schaffen. Das übersteigt meine Kraft, mein Vermögen bei Weitem. Das ist Gottes neue Welt, die in der Jahreslosung verheißen wird. Er ist der Macher.
Seine Verheißung „Siehe, ich mache alles neu“ bedeutet aber nicht, dass ich all meine Hoffnungen und Wünsche für das neue Jahr auf das Jenseits verschieben muss – auf einen Sankt-Nimmerleins-Tag.
Christliche Hoffnung im Hier und Jetzt
„Siehe, ich mache alles neu“ ist nicht nur eine Hoffnung für das Ende der Welt. Christen sind keine Weltuntergangssekte. Christen gründen ihre Hoffnung auf das Reich Gottes, das Jesus verkündet hat.
Wo beginnt das Reich Gottes?
Gottes Reich hat bereits begonnen, und Gott wird es vollenden. Jesus hat im Namen Gottes schon manches neu gemacht: Einen Zöllner wieder in die Gemeinschaft geholt, Kranke geheilt, Ausgegrenzte aufgerichtet. So ist Gottes Reich: Da wird alles neu, und es hat schon angefangen, wie ein Same, der aufgeht und wächst bis zur Ernte.
Mitmachen statt überfordern
„Siehe, ich mache alles neu.“ – Gott ist der Macher, und das ist gut so. Aber Jesus hat mir Beispiele gegeben, wie und wo ich Hoffnung verbreiten kann, und dass auch ich manches neu mache in seinem Namen.
Musik
Die Losung im Alltag
„Siehe, ich mache alles neu.“ Was mache ich nun in meiner kleinen Welt mit dieser Jahreslosung? Wie erde ich Gottes himmlische Verheißung?
Zuerst mal: Die Jahreslosung bedeutet für mich eine Entlastung. Ich muss nicht alles können. Ich muss mich nicht irgendwelchen Vorsätzen unterwerfen, nur um dann an ihnen zu scheitern.
Kleine Schritte zählen
Für mich geht’s kleinschrittig im neuen Jahr auch voran. Langsam anfangen mit dem Sport, aber dafür weitermachen. Nicht alles verschieben, sondern nach Wichtigkeit sortieren.
Ich kann auch etwas neu machen, indem ich auf den zugehe, der auf eine längst fällige Entschuldigung von mir wartet. Oder eine Beziehung erneuern, indem ich vergebe.
Hilfe annehmen
Ja, und mir helfen lassen. Zum Beispiel bei der anstehenden Renovierung. Ich kann inzwischen auch nicht mehr alles, schon gar nicht allein. Wände streichen geht schon, aber beim Fußbodenlegen brauche ich Hilfe, und den Einbau der neuen Fenster überlasse ich den Fachleuten.
Mut zum Widerspruch
Und etwas neu machen in dieser Welt kann ich auch, indem ich mutig aufstehe gegen Fremdenhass und Hetze. Nicht schweige, wenn mein Einspruch gegen Unrecht und Gewalt gefragt ist.
Mitbauen am Reich Gottes
Was das Reich Gottes betrifft, da kann ich miterneuern: Bibel lesen, Gottesdienste besuchen, anderen beistehen so gut ich kann. Und sicher hilft mir Gott auch dabei.
Ich glaube, daran denkt auch der Pfarrersohn Hermann Hesse. Denn er setzt seine Gedichtzeile so fort:
„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“
Ich wünsche allen ein gesegnetes Jahr 2026.