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Himmel mit Wolken und Kreuz

Sommerreihe: John Lennon "Imagine"

„Imagine“ - „Stell dir vor, es gäbe keinen Himmel.“
Das ist John Lennons berühmte Friedenshymne, sein wohl bekanntester Song überhaupt. Und das ist eines dieser Musikstücke, die mich als Hörer einfach nicht unberührt lassen. Schon bei den ersten Klavierakkorden weiß ich, was kommt. Das Lied ist auf einen Schlag ganz da.

 

Gibt es einen Himmel?
 

Wäre John Lennons „Imagine“ ein Bild, man würde wohl von einer Ikone sprechen. Nicht mit Farben, sondern mit Tönen und Worten malt John Lennon seine Idee von einer Welt ohne Krieg und allen Menschen im Frieden.

Und diese Idee beginnt mit eben mit der Vorstellung, dass es keinen Himmel gibt. Die meisten Menschen – zumindest hier in Deutschland – brauchen dafür keine besondere Vorstellungskraft. Nur noch eine Minderheit glaubt, dass es überhaupt so etwas wie einen Himmel gibt, von der Hölle unter uns mal ganz zu schweigen.

Und selbst bei jenen, die an einen Himmel glauben, hat das nicht unbedingt Auswirkungen im Alltag. Jedenfalls erlebe ich, dass nicht wenige Menschen ihr Leben genau so führen, wie John Lennon es besingt:

Carpe Diem

Ohne Himmel und Hölle, das ist John Lennons Idee, würden alle Menschen nur im Hier und Jetzt leben. Und das ist gar nicht so unattraktiv. Das merke ich auch immer dann, wenn ich mit jungen Menschen in meiner Gemeinde ins Gespräch komme. Wenn ich die nach ihrem Lebensmotto frage, höre ich ganz regelmäßig Sätze wie: „Lebe so, als wenn jeder Tag dein letzter wäre.“

Und wenn ich zurückdenke: Ich habe als Jugendlicher genau diesen Satz auch mal als Motto für mich selbst ausgegeben. Die Idee als solche ist ja nun keineswegs neu. Schon die alten Römer kannten das Wort „Carpe Diem! – Nutze den Tag!“

Doch es ist wie mit allen schönen Kalendersprüchen. Die klingen erst mal super, halten dann aber oft dem Leben nicht stand.
Die Menschen, die wirklich ganz im Hier und Jetzt leben, sind entweder so reich, dass sie es sich leisten können. Oder sie sind so arm, dass ihnen gar nichts anderes übrig bleibt. Letztere hat John Lennon wohl eher nicht gemeint.

Das Leben und vor allem den Augenblick genießen – das gelingt im wirklichen Leben kaum. Denn mal ehrlich: Wenn das heute Ihr definitiv letzter Tag auf Erden wäre, würden Sie dann Ihre Zeit mit Radiohören verbringen?

Auch ohne Himmel und Hölle müssen die meisten Menschen doch an ihre Zukunft denken und leben entsprechend: Mit meinen Urlaubsplänen für diesen Sommer, mit meiner Kranken- und Unfallversicherung und nicht zuletzt meiner privaten Altersvorsorge bin ich in den Augen John Lennons womöglich ein furchtbarer Spießer – ein Spießer, der noch dazu an den Himmel glaubt.
Meinetwegen – bin ich eben ein Spießer. Aber bedeutet das auch, dass ich John Lennons Idee von einer besseren Welt im Weg stehe?

Glaubenssysteme als Auslöser von Gewalt

John Lennon nennt die Ursachen von Krieg und Gewalt in seinem Song beim Namen: Neben dem ewigen Streben nach Besitz und Reichtum und der Gier nach Macht und Herrschaft sind auch die verschiedenen Glaubenssysteme immer wieder Auslöser von Gewalt.

In einem Interview hat John Lennon einmal betont, dass er nicht den Glauben von Menschen als solchen pauschal ablehnt, sondern eher dieses ganze „Mein-Gott-ist-besser-als dein-Gott“-Gehabe, wie er das nennt.

Tatsächlich haben Glaubensfragen in der Geschichte immer wieder Menschen übereinander herfallen lassen. Gerade die unterschiedlichen Vorstellungen vom Himmel können zum Problem werden. Denn manche Menschen meinen ja genau zu wissen, wer in diesen Himmel hineindarf und wer stattdessen zur Hölle fährt. 
 

Wäre die Welt ohne Religion besser dran?

Und wenn dann Menschen auch noch meinen, sie selbst seien von Gott, von der Vorsehung oder sonst was auserwählt, alle Ungläubigen höchstpersönlich auszumerzen, dann brechen dunkle Zeitalter an. Viele Religionsgemeinschaften sagen von sich, dass sie der Welt Frieden und Gerechtigkeit bringen wollen. 

Doch stattdessen sind sie auch immer wieder Ursache von Gewalt und Unterdrückung. Davon singt John Lennon. Und darum glaubt er, die Welt wäre ohne Religion und ohne Himmel besser dran.

Bisweilen bin ich geneigt, ihm zuzustimmen – auch als überzeugter Christ. Denn wenn ich in den Nachrichten die Bilder vom nächsten Selbstmordattentat sehe, auf Bahnhöfen Kofferbomben platziert werden und auf offener Straße mitten in europäischen Großstädten Menschen geradezu niedergemetzelt werden wie kürzlich dieser Soldat in London, dann dreht sich mir der Magen um. 

Ich kann das dazugehörende Geschrei „Gott ist groß!“ nicht mehr hören. Und das wohl auch deshalb, weil die Geschichte meines christlichen Glaubens eben auch sogenannte Gotteskrieger kennt, die mit dem Ruf „Gott will es!“ in die Schlacht geritten sind. Ich frage mich schon, ob wir Menschen nicht zu Besserem fähig wären.

Wie sieht Lennon Religion und Glauben?

Wenn ich das höre, spüre ich eine gewisse Seelenverwandtschaft zwischen John Lennons Traum und meinen eigenen christlichen Vorstellungen von einer besseren Zukunft.
Diese Nähe ist kein Zufall. John Lennon hat sich beim Texten von „Imagine“ tatsächlich von einem Gebetbuch inspirieren lassen. Seine Musik hat ja auch etwas Hymnisches, ist eben so was wie eine klingende Ikone.

Nur in einem Punkt unterscheiden wir uns voneinander: Lennon sieht Religionen und den Glauben an einen Himmel als Hindernisse auf dem Weg zum Frieden und zum Glück der Menschen. Ich sehe in meinem Glauben eher eine Chance.

Wobei: Wahrscheinlich meine ich etwas ganz Anderes als John Lennon, wenn ich vom Himmel spreche. Ein simples System von Belohnung und Strafe ist die Idee von Himmel und Hölle für mich jedenfalls nicht. Ich brauche den Himmel auch nicht, um mich über die manchmal traurige Wirklichkeit des Lebens hinwegzutrösten. Und schon gar nicht gibt es den Himmel im Sinne von Karl Marx als Opium für das Volk, damit wir Gewalt, Unterdrückung und Ungerechtigkeit als gottgegeben hinnehmen.

Der Mensch kann gut oder böse sein

Der sprichwörtliche „Himmel auf Erden“ – davon singt John Lennon. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber: Die Menschheit ist – bei allem guten Willen - immer wieder an sich selbst gescheitert. Zur Geschichte meines christlichen Glaubens an die Frohe Botschaft Jesu Christi gehören eben auch Kreuzzüge im Namen Gottes und der Schrecken der Inquisition. 

Die Französische Revolution wollte die Herrschaft der Vernunft und den Sieg über den Aberglauben – und ließ am Ende tausende Köpfe rollen. Braucht es noch weitere Beispiele? Die Liste ließe sich schier endlos fortsetzen. Meine Meinung ist: Auf Gottesstaaten und Gotteskrieger jedweder Art kann die Menschheit gut verzichten. Aber können wir deshalb auch auf den Himmel verzichten?

Der christliche Glaube schaut sehr realistisch auf den Menschen und die Welt: Der Mensch ist zu Großem fähig – im Guten wie im Bösen. Und manchmal ist gar nicht so klar und eindeutig, auf welcher Seite man selbst eigentlich gerade steht. Schon mancher hat von einer besseren Welt geträumt und musste nach dem Aufwachen feststellen, dass der eigene Traum für andere zum Alptraum geworden ist.

Der Himmel als Maßstab
 

Der Himmel steht all dem gegenüber. Er ist Richtschnur und Maßstab der Liebe jenseits aller Ideologie. Er ist nicht Teil dieser Welt. Er ist für den Menschen grundsätzlich unverfügbar – auch wenn Fanatiker immer wieder anderes behaupten. 

Unerreichbar ist er aber auch nicht. Den Weg hat uns Christus gezeigt. Es ist ein Weg der Gerechtigkeit, des Friedens und der Liebe. Der Himmel als Ziel bedeutet absolutes Glück, Freude und Leben in Fülle.

Wo ich als Christ vom Reich Gottes spreche, da singt John Lennon sein „Imagine“.
Christus hat die Menschen gerufen, diesen Weg zum Himmel einzuschlagen. Was wäre wohl, wenn alle Menschen auf diesem Weg gehen würden. Stell dir vor … imagine.