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Heilen statt zerstören
Bild: Pixabay/pixel2013

Heilen statt zerstören

Michael Becker
Ein Beitrag von Michael Becker, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Sie hielt es nicht mehr aus, hat Vera gesagt. Jede Nacht in den Keller, in den Bunker. Immer die Angst der Menschen in Charkiw in der Ukraine. Vera Lytovchenko wollte etwas Schönes machen (stern.de). Sie zieht ihr bestes Abendkleid an, nimmt ihre Geige mit in den Keller und spielt. Ganz innig spielt sie ein ukrainisches Volkslied. Die Menschen im Keller sind tief bewegt von der Schönheit. Ihnen kommen die Tränen. Sie vergaßen den Krieg, sagt Vera, und folgten dem Klang.

Es gibt noch eine andere Welt in dieser Welt. Jesus nennt sie Reich Gottes - die Welt der Fürsorge und der Kunst, des Zarten und Heilsamen. Wir erleben gerade eher die brutale Seite der Welt. Wir konnten uns kaum vorstellen, dass es so etwas bei uns gibt. Hoffentlich werden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen.

Aber dann gibt es ja die andere Welt. Da stehen Menschen nicht gegeneinander, sondern sind füreinander da. Mit leiser Musik, freundlichen Gesichtern und Verständnis - diesem Streicheln der Seele. Niemand muss böse sein. Es ist immer möglich, auf der guten Seite zu leben und anderen zu sagen: Du bist nicht mein Feind. Das ist Gottes Reich, die Welt der Zartheit und des Liebevollen. Heilsam ist diese andere Welt; heilsam wie der Blick auf eine Blumenwiese. Die zerstört man nicht. Darauf trampelt man nicht herum. Man pflegt sie und erfreut sich daran. Darum sind wir ja Menschen: damit wir füreinander heilsam sind.

 

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