Würde erzeugt Würde
„Behandelt man Menschen wie Abschaum, werden sie Abschaum sein. Behandelt man sie wie Menschen, werden sie sich wie Menschen verhalten." Das sagt der Direktor eines norwegischen Gefängnisses.
Gefängnisse ohne Gitterstäbe und Waffen
Gefängnisse ohne Gitterstäbe, mit eigenen Zimmern und Gemeinschaftsküchen. Die Angestellten tragen keine Waffen, nicht einmal eine Uniform - man kann sie auf den ersten Blick kaum von den Insassen unterscheiden.
Klingt das nach frommem Wunsch?
Klingt das nach frommem Wunsch? Wie ein Experiment, das gut gemeint ist - das aber die Schwere der Taten ausblendet. Die Zahlen sagen etwas anderes: Norwegen hat die niedrigste Rückfallquote weltweit.
Jesus hat diesen Gedanken vorgelebt
Jesus hat diesen Gedanken schon vorgelebt. Er hat sich zu Menschen gesetzt, die alle anderen mieden - und ihnen damit ihre Würde zurückgegeben. Jesus hat gesagt: „Behandelt andere so, wie ihr auch selbst behandelt werden wollt." Das ist nicht naiv. Sondern eine Erfahrung: Würde erzeugt Würde.
Übertragung auf Begegnungen im Alltag
Das lässt sich übertragen - auf Begegnungen, wie sie das Leben schreibt. Der schwierige Nachbar. Das zerstrittene Familienmitglied. Der Kollege, mit dem man schon längst aufgehört hat, wirklich zu reden.
Unser erster Impuls ist Abwehr
Unser erster Impuls ist Abwehr - auch das ist menschlich. Aber vielleicht liegt genau da der Spielraum: In dem Moment, wo wir entscheiden: Schreibe ich diesen Menschen ab - oder begegne ich ihm mit Würde?
Hintergrund: Rutger Bregman: Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit ³2021, 356-360. Oder: https://goodimpact.eu/gute-ideen/gefaengnisse-organisiertes-misstrauen.