Rodelbahn
Mitten in der Kasseler Innenstadt steht vor Weihnachten eine Rodelbahn. Sie führt einen Hang zwischen den Geschäften herunter. Mit einem Brett kann man sie herunterrutschen. Schon oft habe ich das bunte Treiben dort gesehen. Aber ich bin immer weitergegangen. Habe gedacht: Ach nee. Das kann ich nicht mehr machen in meinem Alter. Das wäre zu albern.
Die Freude einer älteren Rodlerin steckt an
Dieses Jahr bin ich aber an der Rodelbahn stehen geblieben. Ich beobachte eine Frau mit weißen Haaren. Sie stellt sich an. Steigt auf das Brett. Und schon geht es los. Die Dame rodelt die Bahn herunter. Links und rechts von ihr zwei Kinder. Sie brettert an mir vorbei. Ich höre sie lachen und muss einfach grinsen. Die Freude der Frau auf der Rutschbahn steckt mich an.
Vom Zögern zum Ausprobieren – Warum sagen wir manchmal „Nein“ zu unserem Spaß?
Warum eigentlich nicht, denke ich. Und ein paar Tage später steige ich selbst aufs Brett. Von hinten kriege ich einen Schubs und ab geht die Fahrt. Wind weht mir ins Gesicht. Mein Herz klopft. Ich muss laut kreischen. Mir macht es richtig Spaß. Ich frage mich: Wann habe ich eigentlich beschlossen, dass manche Dinge „nichts mehr für mich“ sind? Dass Freude peinlich ist?
Lebensfreude als Geschenk – Wie eine kleine Rodelbahn daran erinnert
Jesus sagt einmal: Wer das Reich Gottes nicht wie ein Kind annimmt, wird nie hineinkommen (Markus 10,15). Für mich bedeuten diese Worte auch, das Leben zu genießen. Und dazu muss ich mich auch Dinge trauen, sonst verpasse ich etwas Entscheidendes. Vielleicht meint er genau das: Dieses Sich-trauen. Dieses Loslassen. Dieses ehrliche Lachen. Ich glaube jedenfalls: Lebensfreude ist kein Kinderkram. Lebensfreude ist ein Geschenk. Und manchmal braucht es nur eine kleine Rodelbahn oder eine mutige Person, um sich daran zu erinnern.