Die gemeinsame Playlist
Wenn wir als Familie lange Autofahrten machen, gibt es eine gemeinsame Musikliste. Jeder wünscht sich seine Lieblingslieder. Nur wenn's gar nicht geht, gibt es ein Veto – aber eigentlich müssen wir alle durch alle Lieder durch. Ich wünsche mir Herbert Grönemeyer. Die Kinder wollen das neueste aus den Charts und Bibi und Tina. Mein Mann streut Robbie Williams dazu. Ein wilder Mix. Dann wird Play gedrückt, Zufallsmodus.
Freunde machen es anders mit Kopfhörern
Freunde von mir machen das anders: Jedes Kind bekommt ein eigenes Abspielgerät, Kopfhörer auf, und jeder hört nur, was ihm gefällt. Keiner muss Kompromisse eingehen. Und trotzdem möchte ich das bei uns nicht ändern. Es ist ein Gemeinschaftserlebnis. Wir haben alle dieselbe Fahrt erlebt – auch wenn mir nicht jedes Lied gefällt.
Ich lerne, was meine Kinder mögen
Ich lerne, was meine Kinder gerade mögen. Und meine Kinder hören meine Musik, vielleicht kann ich sie ja noch dafür begeistern. Für mich ist das auch ein Bild vom Zusammenleben. Die Kopfhörer-Lösung ist nicht falsch – sie ist sogar entspannter. Aber sie hat etwas von einer Filterblase: Jeder in seiner eigenen Welt, niemand muss sich mit dem auseinandersetzen, was den anderen wichtig ist.
Aushalten, was mir nicht gefällt
Bei der gemeinsamen Playlist ist das anders. Da muss ich aushalten, was mir nicht gefällt, damit auch das gehört wird, was mir wichtig ist. Und selbst das Veto hat seinen Sinn: Nicht alles muss ich ertragen, manches darf ich ablehnen – aber das ist die Ausnahme, nicht die Regel.
Das lässt sich auch außerhalb des Autos üben
Ich glaube, das lässt sich auch außerhalb des Autos üben. Nicht gleich abschalten, wenn einem etwas fremd ist. Sondern zuhören, aushalten, mitsingen, wo es geht. Und sich manchmal überraschen lassen, was einem plötzlich gefällt. Im Glauben nennt man das Nächstenliebe: nicht nur die eigene Melodie gelten lassen, sondern auch der des anderen Raum geben.