Adeles Sturz
Da ist dieser Moment, den wahrscheinlich viele Eltern kennen. Eben noch läuft das Kind fröhlich über den Spielplatz. Dann bleibt es mit dem Fuß irgendwo hängen, stolpert – und fällt hin. Autsch! Ein kurzer Schreck. Ein Moment ganz still und dann kommen Tränen. Das Knie ist aufgeschürft. Ein bisschen Blut läuft über die Haut. Als Mutter oder Vater ist dieser Impuls sofort da: Ich muss etwas tun! Doch manchmal kann ich gar nicht viel tun. Ich kann die Wunde nicht einfach wegzaubern.
Wenn Nähe tröstet
Ich kann meinem Kind den Schmerz nicht abnehmen. Ich kann nur das Kind hochheben, es in den Arm nehmen und sagen: „Ich bin da. Ich bleibe bei dir.“ Und dann heißt es: aushalten. Den Schmerz. Die Tränen. Dabeibleiben, bis es langsam wieder besser wird. Ich bin mir sicher, genau darin steckt etwas, das auch für unseren Glauben wichtig ist.
Wunden, die nicht einfach verschwinden
Denn dieses Aushalten erinnert mich an Gott. Auch in meinem Leben gibt es Wunden, die ich nicht einfach verschwinden. Dinge, die wehgetan haben. Enttäuschungen, Verlust, Angst und Sorgen. Und manchmal wünschen wir uns auch dann jemanden, der kommt und alles wieder heil macht.
„Ich bin da, ich bleibe bei dir“
Doch vielleicht ist Gottes Antwort nicht immer: „Ich nehme dir das sofort ab.“ Vielleicht sagt er vielmehr: „Ich bin da. Ich bleibe bei dir.“ Gott schaut nicht weg, wenn es in unserem Leben blutet – äußerlich oder innerlich. Er nimmt nicht immer sofort den Schmerz. Aber er lässt uns darin nicht allein. Er tröstet uns. Er trägt uns. Und er bleibt bei uns – so lange, bis es wieder heilt. Vielleicht ist das eine der stärksten Formen von Liebe: nicht alles reparieren zu können – und trotzdem zu bleiben. Denn Gott hält es mit mir aus.