Füße waschen am Gründonnertag
Moderator/in: Heute feiern Christinnen und Christen den Gründonnerstag. Und im Gottesdienst passiert etwas Besonderes: Der Pfarrer bindet sich eine Schürze um und wäscht zwölf Menschen die Füße. Lena Giel, von der katholischen Kirche, ist das nicht irgendwie unangenehm? Vielleicht sogar ein bisschen peinlich?
Lena: Es ist schon intim, die Füße gewaschen zu bekommen. Aber die Bedeutung, die dahintersteckt, finde ich total toll: diese Geste erinnert an Jesus, der mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl gefeiert hat. Und er hat vor dem Essen die Füße seiner Jünger gewaschen. Seinen Jünger fanden‘s damals auch komisch. Aber Jesus hat ihnen damit gezeigt: Wahre Größe hat nichts mit Macht zu tun. Sondern mit Liebe und mit dem Mut, sich klein zu machen für andere.
Das ist eine starke Geste. Eine, von der sich auch so mancher Präsident heute etwas abschauen könnten. Denn wer kniet sich heute noch hin – vor andere – und wäscht ihnen die Füße?
Lena: Ja genau, heute sind’s die Starken und Mächtigen die gewinnen. Bei der Fußwaschung ist das nicht so! Ich denke da auch gerne an Papst Franziskus. Er hat diese Geste nämlich besonders ernst genommen. Er ist am Gründonnertag ins Gefängnis gegangen. Oder in Unterkünfte für Geflüchtete. Er hat Gefangenen und Migranten die Füße gewaschen. Ich finde das echt stark! Füße waschen zeigt: ich gehe mit dir auf Augenhöhe, ich sehe dich und bin für dich da. Das ist für mich wahre Größe. Und ich bin Jesus echt dankbar, dass er uns das so vorgelebt hat.