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Vogt, Dr. Fabian

Eine Sendung von

Evangelischer Pfarrer in der Öffentlichkeitsarbeit, Frankfurt

Vier fröhliche Personen in ausgefallenen Kostümen lachen und werfen Konfetti in die Luft. Sie verkörpern verschiedene Charaktere und feiern gemeinsam. Die Atmosphäre ist festlich und bunt.

Dürfen Evangelische auch Fasching feiern?

Moderator/in: Es ist Faschingssonntag. Für viele der Höhepunkt des Faschingswochenendes. Und auch in Hessen gibt’s heute viele große Umzüge. Spannend ist ja: Fasching wird vor allem in traditionell katholischen Regionen ausgiebig gefeiert, während in evangelischen Gegenden viel weniger los ist. Fabian Vogt von der Evangelischen Kirche: Haben die Evangelischen keine Lust aufs Feiern?

Fabian Vogt: Also erst mal: Martin Luther ist ja der Begründer der Evangelischen Kirche. Und der war ein absoluter Lebemensch. Er soll sogar gesagt haben: „Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang.“ Also: Luther hat gern gefeiert. 

Aber: Die Faschingszeit ist ja entstanden, weil am Aschermittwoch die Fastenzeit beginnt. Weil man dachte: Bevor wir sieben Wochen Fasten, wird noch mal ordentlich gefeiert. Und viele waren damals überzeugt: Wenn man richtig viel fastet, dann bekommt man im Himmel einen Ehrenplatz. Und da hat Luther gesagt: „So’n Quatsch. Gott liebt die Menschen – egal, ob sie fasten oder nicht.“ Also: Weg mit der Fastenzeit!

Tja, und ohne Fastenzeit brauchte es auch keine Faschingszeit. Darum haben sich die tollen Tage in evangelischen Gebieten nicht durchgesetzt.

Moderator/in: Und heute: Dürfen jetzt Evangelische auch guten Gewissens mitfeiern?

Fabian Vogt: Auf jeden Fall! Heute glaubt ja auch keiner mehr, dass er sich durchs Fasten den Himmel verdienen könnte – egal, ob evangelisch oder katholisch. Und, um noch mal Martin Luther zu zitieren … der hat den schönen Satz gesagt: „Man kann Gott nicht nur durch Arbeit dienen, sondern auch mit Feiern.“ Recht hat er!