1 Jahr neue Regierung: die Kunst der Zusammenarbeit
Moderator/in: Morgen ist es so weit: Die aktuelle Bundesregierung ist ein Jahr im Amt. Wie das erste Jahr war, darüber wird ja leidenschaftlich diskutiert: Die einen sagen „Die Weltlage ist schwierig – und trotzdem wurden wichtige Weichen gestellt.“
Was sagt das erste Regierungsjahr über die Koalition?
Die anderen sagen: „Das war ein holpriger Start und überhaupt: So richtig warm werden die Koalitionspartner nicht miteinander.“ Fabian Vogt von der Evangelischen Kirche: Du hast als Seelsorger oft mit Menschen zu tun, die sich bei der Zusammenarbeit schwertun. Wie siehst du das?
Zu viel Streit in der Regierung: Was ist die eigentliche Herausforderung?
Fabian Vogt: Mir wird in der Regierung auf jeden Fall zu viel gestritten. Klar: Es ist eine Koalition und jede Partei bringt eigene Interessen mit. Trotzdem denke ich: Es muss doch möglich sein, mehr an einem Strang zu ziehen. Gerade weil das ja eine ganz typische Konstellation ist: Parteien, die beide was erreichen wollen … aber sich einfach nicht einigen können, wie. Kommt schon in der Bibel vor: Da gab‘s eine große christliche Gemeinde in Korinth in Griechenland. Da wollten eigentlich alle das Gleiche: zusammenleben und ihren Glauben teilen. Aber die unterschiedlichen Parteien konnten sich einfach nicht einigen, wie das gehen soll … und haben ständig gegeneinander gearbeitet. Ist also eine bekannte Herausforderung.
Wie haben die Menschen in Korinth das Problem gelöst?
Moderator/in: Und wie haben die Leute das Problem damals gelöst?
Fabian Vogt: Der Apostel Paulus hat ihnen einen Brandbrief geschrieben. Und der hat’s in sich. Darin sagt er: Versteht ihr nicht: Als Gemeinschaft seid ihr wie ein Körper. Und in einem Körper gibt es nun mal unterschiedliche Funktionen. Trotzdem gehören alle Teile zusammen. Wörtlich schreibt er: „Das Auge kann doch nicht zur Hand sagen: Ich brauch dich nicht.“ Übertragen heißt das: Wenn’s einem Koalitionspartner schlecht geht, dann geht es am Ende allen schlecht. Wäre also schön, die Regierung könnte ein Miteinander entwickeln, in dem sie sich als Einheit empfindet – trotz aller Differenzen. Wäre was für’s nächste Regierungsjahr.