Zeichen der Gegenwart
Ich war echt beeindruckt! Da stehe ich vor monumentalen Säulen, die der römische Kaiser Augustus hat bauen lassen. Mehr als zweitausend Jahre ist das her.
Das Augustus-Monument in La Turbie: Ein beeindruckendes Zeugnis römischer Macht
Die Säulen gehörten zu einem riesigen Monument, mit dem Augustus klar machen wollte: „Hier herrsche ich! Ich befehle und ich beschütze hier. Hier geschieht, was ich will.“ Das Monument steht im Süden Frankreichs, oberhalb von Monaco. Heute ist nur noch ein Teil davon erhalten. Aber die Größe lässt sich noch erahnen. Ganz oben stand einst eine riesige Statue des Kaisers. Von weitem war sie sichtbar. Weiß leuchtend im Sonnenlicht über dem Mittelmeer.
Wie Kaiser Augustus seine Herrschaft sichtbar machte
Unten auf dem Sockel ist eine lange Inschrift. Augustus ließ festhalten, welche Völker er besiegt hatte. Jeder sollte wissen, wer hier Herr war. Und tatsächlich: Wenn man davorsteht, spürt man noch etwas davon. Fast wirkt es, als sei Augustus irgendwie noch anwesend. Dabei ist er längst tot. Und sein Reich ist längst vergangen.
Heutzutage gibt es natürlich viele andere Bauten dort bei Monaco, die das Augustus-Monument schon ein wenig in den Schatten stellen. Aber für mich strahlt keins so diese Würde aus. Augustus wollte damals damit ein Zeichen seiner Gegenwart setzen. Alle dort sollen wissen, wer hier das Sagen hat.
Welche Zeichen der Gegenwart hinterlässt Gott?
Da kam mir ein Gedanke: Auch Gott hat Zeichen seiner Gegenwart hinterlassen. Aber keine Monumente aus Stein. Keine Säulen. Keine Statue. Seine Zeichen entdecke ich anders: Ich entdecke sie im Staunen über die Natur. Im Duft einer Blume. Im Gesang der Vögel. In der unbegreiflichen Vielfalt des Lebens. Und manchmal auch in Momenten tiefer Dankbarkeit: In einem Kind, das lacht. In Menschen, die füreinander da sind. In Trost, der mich erreicht, wenn ich ihn brauche. In Kraft, die plötzlich da ist, obwohl ich dachte, ich hätte keine mehr.
Gottes Spuren im Alltag entdecken
Dann spüre ich: Da ist mehr, als ich sehen und erklären kann. Für mich sind das Zeichen von Gottes Gegenwart. Sie drängen sich nicht auf. Sie ragen nicht so sichtbar in den Himmel wie das Monument des Augustus.
Man kann leicht an ihnen vorbeigehen. Man kann sie übersehen. Deshalb braucht es manchmal einen neuen Blick. Einen Blick, der staunen kann. Einen Blick, der aufmerksam wird für das Kleine und Unscheinbare.
Denn anders als Augustus gehört Gott nicht der Vergangenheit an. Er lebt. Er ist da. Und die Zeichen seiner Gegenwart wollen nicht Macht demonstrieren. Sie wollen uns an etwas viel Wichtigeres erinnern: Dass wir getragen, begleitet und geliebt sind.