hr2 ZUSPRUCH
hr2
Maschke, Andrea

Eine Sendung von
Andrea Maschke,
Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf

00:00
00:00
Eine Person hält ein frisch gebackenes Brot in den Händen. Das Brot hat eine goldene Kruste mit einer kreuzförmigen Einschnittmarkierung. Die Hände der Person sind mit Mehl bestaubt, was auf das Bäckerhandwerk hindeutet.

Und alle werden satt

Heute am 16. Oktober ist der Welternährungstag, ein internationaler Gedenk- und Aktionstag.

Warum gibt es den Welternährungstag?

Das Datum wurde gewählt, weil direkt nach dem zweiten Weltkrieg, am 16. Oktober 1945, die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, gegründet wurde. Sie hat sich die Bekämpfung des Hungers auf die Fahnen geschrieben.

Kein Hunger bis 2030?

„Kein Hunger mehr!“, das ist auch eines von siebzehn Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, die bis 2030 erreicht werden sollen. Davon sind wir aber noch weit entfernt: Etwa ein Viertel der Weltbevölkerung ist von Ernährungsunsicherheit betroffen, hat also nicht durchgehend ausreichend zu essen und viele sind chronisch unterernährt. Den Hunger weltweit innerhalb der nächsten vier Jahre zu stoppen, wird schwierig. Aber das ist kein Grund, aufzugeben.

Wie können alle satt werden?

„Alle werden satt“, so lautet die Vision. Hierzulande fallen mir dabei die vielen Gruppen ein, die Lebensmittel retten, die Tafeln und die Initiativen der Stadtteilküchen. Weltweit geht es um gerechtere Verteilung, um faire Löhne, und noch größer um Frieden und Klimaschutz…. Denn Krieg und Vertreibung bringen immer Not und Hunger mit sich. Und wo es zu heiß ist oder das Land von Unwettern heimgesucht wird, da fällt die Ernte geringer oder ganz aus. Das haben wir in diesem Sommer selbst hier deutlich gemerkt. Auch in meinem Garten verdorrte ein guter Teil von Obst und Gemüse noch vor der Ernte.

Was erzählt die Bibel von der Brotvermehrung?

Alle werden satt, diesen Satz kenne ich auch aus der Bibel, etwa aus der Erzählung von der Brotvermehrung: Da waren nur fünf Brote und zwei Fische und am Ende waren nicht nur Tausende satt, sondern es blieb sogar reichlich über. Die Bibel erzählt, dass sich an einem Abend sehr viele Menschen, es heißt, einige Tausend, um Jesus versammelt hatten. Weit und breit keine Möglichkeit, Essen zu besorgen. Jesus fragt seine Jünger, was sie dabeihaben: fünf Brote und zwei Fische. Die Menschen setzen sich in Gruppen, Jesus segnet die Brote und die Fische. Und die Jünger fangen an zu verteilen – und am Ende reicht es für alle. War es ein übernatürliches Wunder Jesu, also eine Art Zauber? Oder ein menschliches Wunder, nämlich dass einer keine Angst hatte zu teilen, das Wenige segnete und die anderen Menschen dann auch ihr Weniges teilten? Vielleicht beides.

Essen verbindet Menschen

Essen ist in der Bibel und auch in unserem Alltag mehr als nur Nahrungsaufnahme: Gemeinschaft, Wertschätzung, Verbundenheit. Das zeigt sich zum Beispiel, wenn Jesus mit Zöllnern isst, und ganz besonders beim letzten Abendmahl.

Was bedeutet das tägliche Brot für uns?

Und auch Brot ist mehr als nur ein Lebensmittel – wenn wir im Vaterunser beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute“, dann beten wir um all das, was wir elementar zum Leben brauchen.

Geteiltes Brot, geteiltes Leben

In Brasilien, wo ich eine Weile gelebt habe während meines Studiums, da sagt man vor der Kommunion, vor dem Austeilen des gewandelten Brotes im katholischen Gottesdienst: „Wer von diesem geteilten Brot isst, wird selbst sein Brot teilen.“

Ja, ich glaube fest daran, dass jeder und jede einen Beitrag dazu leisten kann, dass mehr und mehr Menschen satt werden.