hr2 ZUSPRUCH
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Reuter, Eva

Eine Sendung von

Katholische Pastoralreferentin, Betriebsseelsorge im Bistum Mainz / Regionalstelle Rheinhessen

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Bildquelle: Pixabay

Rosenmontag, Pause von den Sorgen

Wenn ich „Rosenmontag“ höre, habe ich sofort dieses Lied im Ohr: „Am Rosenmontag bin ich geboren…“, Margit Sponheimer hat es gesungen, es ist eines der Traditionslieder in der Mainzer Fastnacht. 

Margit Sponheimers bekannter Song

Neben dem bekannten Refrain hat das Lied noch zwei Strophen und die machen mich heute nachdenklich. In der ersten Strophe heißt es: „Mein Papa sein Wahlspruch war Spaß an der Freud, und gestern war gestern und heute ist heut.“ Und die zweite Strophe schließt an: 

„Und sollte ein Mann eines Tag's um mich frei'n,
dann darf es vor allem kein Trauerkloß sein.
Wir brauchen kein Reichtum, wir brauchen kein Geld,
und feiern wir Fastnacht, gehört uns die Welt.“

Pausen vom Alltag

Das Lied stammt aus dem Jahr 1969, und schon damals war auf der Welt nicht alles in Ordnung. Heute haben vielleicht noch mehr Menschen Grund, sich Sorgen zu machen, zum Beispiel ums Geld. Damals wie heute prägen Aufstände, Kriege die Schlagzeilen. Und trotzdem oder gerade deshalb, ist es wichtig, Fastnacht – oder Karneval oder Fasching – zu feiern.

Ich bin überzeugt davon, dass Menschen Pausen brauchen. Pausen auch von der ständigen Besorgnis über die wirklich nicht rosige weltpolitische Lage; Pause auch vom Alltag und seinen Anforderungen. 

Fastnacht ist Pause vom Alltag

Fastnachtfeiern ist so eine Pause. Ich finde es richtig und wichtig, für eine kurze Zeit den Alltag mit seinen Sorgen auszublenden und mal ganz verrückt und närrisch zu sein. Dabei bin ich persönlich keine Vollblut-Fastnachterin, die permanent feiert. Aber immer mal wieder. 

Mir macht es Spaß, mich zu verkleiden und mal ganz ausgelassen zu tanzen – auch mit Menschen, die ich gar nicht kenne und mit denen mich nichts verbindet, außer in diesem Moment die Freude am Leben.

Den Moment leben

Eben im Moment zu leben, wie es in dem Lied heißt: „gestern war gestern und heute ist heut“, da fühl ich mich erleichtert. Das weiß auch ein altes Kirchenlied, in dem heißt es: 

„Was helfen uns die schweren Sorgen? Was hilft uns unser Weh und Ach? … Wir machen unser Kreuz und Leid nur größer durch die Traurigkeit.“

Der Dichter Georg Neumark hat schon vor über 350 Jahren dieses Lied gedichtet. Es steht im evangelischen und katholischen Gesangbuch (EG  369, GL 424). In den Strophen wird klar: Der Dichter schöpft seine Zuversicht aus Gottvertrauen. „Wer Gott dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut“, heißt es in der ersten Strophe. 

Mit Gottvertrauen durch schwere Zeiten

Als Christin kann ich da voll zustimmen. Ich kann aus Erfahrung sagen: Mit Gottvertrauen komm ich besser durch schwere Zeiten. Und wenn ich dabei immer auch mal lache und die Feste feiere, wie sie fallen, dann hilft mir das erst recht, Krisen besser zu bewältigen. 

Für mich als Katholikin gehört deshalb beides zusammen: Fastnacht feiern und auf Gott vertrauen.