Kreuz der Hoffnung
Vor kurzem habe ich ein paar Tage in Paris verbringen können. Natürlich habe ich dort die berühmte Kathedrale Notre Dame besucht und die wunderbare gotische Architektur bewundert. Frisch renoviert nach dem Brand vor sieben Jahren strahlt die Kathedrale heute wieder in vollem Glanz. Aber nicht weniger beeindruckt hat mich eine Kirche, die ganz anders ist, eine moderne Kirche, keine der Hauptsehenswürdigkeiten in Paris. Die Kirche heißt Notre Dame d’Espérance, auf Deutsch etwa: Unsere Liebe Frau von der Hoffnung.
Sie liegt abseits der üblichen Touristenwege
Ich habe diese Kirche zufällig entdeckt. Sie liegt etwas abseits der üblichen Touristenwege nicht weit von der Place de la Bastille, in einem sympathischen, lebendigen Stadtviertel. Gebaut wurde Notre Dame d’Espérance in den 1990er Jahre, um ein älteres, marodes Kirchengebäude zu ersetzen.
Ein Kreuz, das eigentlich keines ist
Was mir sofort aufgefallen ist, als ich an der Kirche vorbeikam: Das große Kirchenportal steht weit offen, mitten am Tag. Und gibt es keine Treppen, die zum Portal hinaufführen, und auch keinen Vorraum, Straße und Kirche gehen ineinander über. Von der Straße sieht man direkt hinein in den hellen, leicht gerundeten Kirchenraum. Und von der Tür aus fällt der Blick direkt auf den Altarraum – und auf ein Kreuz, das eigentlich keines ist. Es besteht aus einem Balken aus Eichenholz, der aufrecht, wie ein Baum in der Kirche steht.
Das Gold – es steht für die Hoffnung
In der Mitte befindet sich ein goldenes Viereck und links und rechts von dem Balken sind an der Wand mit etwas Abstand, auf gleicher Höhe zwei weitere goldene Vierecke angebracht. Der Querbalken des Kreuzes fehlt, die drei goldenen Vierecke in einer Reihe deuten ihn an. Das Licht, das von oben kommt, bringt das Gold zum Leuchten. Und das Gold – es steht für die Hoffnung, die mit dem Kreuz verbunden ist. Für die Hoffnung auf Erlösung, für die Überwindung des Todes, für die Auferstehung.
Gott bleibt unsichtbar und geheimnisvoll
Mich hat dieses Kreuz sehr angesprochen. Zunächst weil es einfach schön ist: das starke, dunkle Holz, das feine, leuchtende Gold. Ich finde: Es ist ein reizvoller Gegensatz. Und es ist so unaufdringlich. Ich muss das Kreuz nicht sehen, es entsteht erst in meinem Blick, wenn ich selbst den Querbalken vor meinem inneren Auge hinzufüge. Und schließlich: Dieses Kreuz steht für mich auch für etwas, das ich immer wieder als Herausforderung des Glaubens erlebe: Gott bleibt unsichtbar, geheimnisvoll. Es gibt keinen Beweis für die Hoffnung, die verbunden ist mit dem Kreuz, mit Jesus, seinem Leben, seinem Tod und Auferstehung. Diese Hoffnung – sie hat ihren Grund in meinem Glauben, in meinem Vertrauen.