hr2 ZUSPRUCH
hr2
Reuter, Eva

Eine Sendung von
Eva Reuter,
Katholische Pastoralreferentin, Citypastoral in Mainz und Frauenpastoral im Bistum Mainz

00:00
00:00

Kinder in den Mittelpunkt

Meine Nichte hat eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht. Demnächst beginnt ihr Anerkennungsjahr. Was sie aus ihrem Alltag erzählt, macht mich nachdenklich. Sie betreut hauptsächlich Zweijährige. Die Personalsituation ist wie überall nicht gut und so ist es ein Spagat, allen Kindern gerecht zu werden. Besonders da einige ein auffälliges Verhalten zeigen. Ich stelle mir das sehr herausfordernd vor – für alle Beteiligten.

Der heutige Tag der Kinderbetreuung

Heute, am Tag der Kinderbetreuung, denke ich an meine Nichte und an alle, die täglich Verantwortung für Kinder übernehmen – mit Geduld, Fürsorge und einem offenen Herzen. In ihrem Tun erkenne ich als Christin etwas von dem wieder, was auch in der Bibel immer wieder sichtbar wird: die besondere Würde und Bedeutung der Kinder und der Auftrag, sie zu begleiten und zu schützen.

Sie sind ein Vorbild für uns Erwachsene

Jesus selbst stellt die Kinder in die Mitte. Einmal hat er gesagt: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn solchen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“ (Markus-Evangelium 10,14). Kinder sind nicht „nur“ die Zukunft. Sie sind ein Vorbild für uns Erwachsene. Mir ihren Ideen und Fragen machen sie uns erwachsene Menschen oft auf die wirklich wichtigen und schönen Dinge im Leben aufmerksam. Ich habe zum Beispiel mit meiner kleinen Tochter neu entdeckt, wie toll Raupen aussehen, wenn sie kriechen. 

Zu lernen, wie man eine Schere hält

Meine Nichte hat in ihrer Ausbildung viel gelernt. Vor allem aber, wie man Kinder ernst nimmt und ihnen beim Großwerden hilft. Deshalb beaufsichtigt sie die Kinder nicht nur, sie begleitet sie den Tag über bei allem, was sie tun. Dazu gehört natürlich, zu lernen wie man eine Schere hält. Aber eben auch, wie man Gefühle bei sich oder anderen erkennen kann und mit ihnen umgeht. 

Oft ist die Liebe eine Entscheidung

Zugleich weiß ich als Mutter: Diese Begleitung braucht Kraft und Ausdauer. Der Alltag ist nicht immer leicht, und mit einem schreienden Kleinkind an der Supermarktkasse bin ich nicht unbedingt glücklich und dankbar. 

In anstrengenden Phasen hat mich da manchmal ein biblischer Gedanke getragen: „Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ (1. Korinther-Brief 16,14). Diese Liebe ist für mich nicht immer ein Gefühl. Oft ist sie eine Entscheidung – mich immer wieder neu den Kindern zuzuwenden, geduldig zu bleiben und ihnen mit Respekt zu begegnen. 

Verantwortung für kleine, kostbare Menschen tragen

Heute am Tag der Kinderbetreuung möchte ich allen Erzieherinnen und Erziehern Danke sagen. Dafür, dass sie aufmerksam sind für die Kinder, sie geduldig begleiten und sie fördern.

Ich bin dankbar für Menschen, die sich um Kinder kümmern – eigene oder fremde –und Kinder so in die Mitte stellen. Sie tragen Verantwortung für kleine, kostbare Menschen. Ich wünschen all diesen Menschen Kraft und Geduld und Anerkennung für ihren Job – nicht nur heute am Tag der Kinderbetreuung.