Gott und der Tyrannosaurus rex
„Also ich glaube ja, dass Gott so ist wie meine Mama“, sagt Jule aus der 1b im Religionsunterricht. „Gott sorgt dafür, dass ich Gutes zu essen bekomme und meine Regensachen nicht vergesse. So wie Mama.“ Ich frage die Erstklässler, wie sie sich Gott vorstellen.
Erstklässler malen Gott: Wie eine Mama?
Antonia sagt: „Gott kenne ich aus einem Computerspiel“. Manche haben keine Idee. Sie haben noch nie etwas von Gott gehört – auch okay. Doch nach und nach erzählen immer mehr Kinder. Eine Vielfalt an Gottesbildern. Da gibt es die Idee: Gott ist wie eine gute Freundin, die zu einem steht, wenn andere einen auslachen. Oder: Gott ist wie ein Gärtner - der dafür sorgt, dass alles wächst. Oder: Gott ist unsichtbar bei einem – und daher auch an verschiedenen Orten gleichzeitig.
Kann Gott ein Tyrannosaurus rex sein?
Eine Frage beschäftigt die Kinder länger: Kann sich denn jeder einfach wünschen, wie Gott sein soll und so ist er dann auch? Ein Kind überlegt: „Dann könnte Gott doch auch ein Tyrannosaurus rex sein, der alles Böse auffrisst.“
In der Klasse regt sich Widerstand – denn: Gott würde niemanden auffressen. Gott ist Veganer. Die Kinder lachen. Ich hake nochmal nach: „Glaubt ihr, Gott ist vor allem riesig und gewaltsam?“ Murmeln in der Klasse, keine Antwort. Ich merke: die Luft ist raus. Immerhin ist gleich Schulschluss. Ich gebe den Kindern noch schnell ihre Hausaufgabe: Sie sollen ein Bild davon malen, wo sie sich sicher und geborgen fühlen. Meine Idee: Gott hat vielleicht etwas mit diesem Gefühl zu tun.
Gottesbilder für alle: Baum für Eichhörnchen, Wind für Dino
In der nächsten Stunde fange ich damit nochmal an. Ich frage die Kinder: „Wie ist Gott?“ Ich weiß: Das ist eine wirklich große Frage. Menschen haben zu allen Zeiten und überall auf der Welt ganz verschiedene Antworten darauf gefunden. Frieda, die sonst nur still ist, meldet sich ganz schnell und sagt: „Ich glaube, für Eichhörnchen ist Gott wie ein großer Baum, auf dem sie spielen können. Und für Elefanten wie eine Herde, in der sie sich sicher fühlen. Gott ist immer so, wie Menschen und Tiere es brauchen - aber nie gegen andere. Also kein Tyrannosaurus rex.“
Paul ist noch nicht zufrieden: „Und für den Tyrannosaurus rex selbst? Wie ist Gott für den?“ Wir überlegen gemeinsam. Hiraad wirft ein: „Jedenfalls nicht so, dass er andere zerstört! Gott ist Geist. Unsichtbar. Wie Wind. Auch für den Dino.“ Paul ergänzt: „Wie ein Wind, der kräftig pustet gegen alles, was zerstört und böse ist - damit das aufhört.“
Kinderweisheit: Geborgenheit und Mut gegen Böses
Ich höre stolz zu, wie die Kinder gemeinsam überlegen. Und wie sie spüren: Gott gibt den Kleinen Geborgenheit. Und Mut, den bösen und zerstörerischen Kräften in der Welt etwas entgegenzusetzen. Das wünsche ich den Kindern: Dass sie diese Geborgenheit und diesen Mut immer wieder in ihrem Leben erfahren. Und dass sie die bewahren können – auch als Erwachsene.