hr2 ZUSPRUCH
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Müller-Langsdorf, Sabine

Eine Sendung von

Evangelische Pfarrerin, Zentrum Oekumene, Frankfurt

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Zwei Kinder sitzen eng beieinander. Ein Mädchen mit lockigem Haar trägt ein lila Latzkleid und schaut lächelnd zu einem Jungen mit kurzen blonden Haaren, der kariertes Shirt trägt. Sie scheinen Spaß zu haben und eine freundliche Verbindung zu teilen.

Friedensdienste

Melvin kommt aus Südafrika. Er macht für ein Jahr einen freiwilligen Friedensdienst. Er arbeitet in einer Kindertagesstätte in Stuttgart mit. Mit breitem Grinsen und leicht schwäbischem Akzent sagt er: „Der beste Weg zueinander ist es, eine Sprache zu lernen. Kinder sind da super. Die reden nicht kompliziert.“

Begegnung und interkulturelles Lernen im Alltag

Mit so einem Freiwilligeneinsatz können jungen Menschen ein Stück Welt genauer kennenlernen. Im alltäglichen Miteinander sammelt Melvin Erfahrungen im Umgang mit Menschen anderer Kulturen. Er lernt, wie Menschen in einem anderen Land zusammenleben und arbeiten. Vor allem aber lernt Melvin in dem einen Jahr in der Fremde ganz bestimmt viel für sich selber. Seine Persönlichkeit wird sich weiter entwickeln. Diese Erfahrungen nimmt er mit ins Leben.

Was bedeutet Frieden im täglichen Miteinander?

Ich treffe Melvin in einer Austauschrunde mit anderen Freiwilligen. Wir reden darüber, was Frieden ist und wie wir dazu beitragen können. Melvin erzählt von den Kindern in der Kita. Er staunt, wie schnell sie einen Streit zu begraben. Manchmal wird es zwar laut oder Tränen kullern. Aber wenn der Konflikt gelöst ist, heißt es schnell: „Jetzt bist du wieder mein Freund“. Und dann ziehen zwei Kinder los und spielen, als wäre nichts gewesen.

Wenn Frieden schwerfällt – Melvins persönliche Geschichte

Melvin unterbricht sich selbst und sagt: „Aber eigentlich ist das echt schwer mit dem Frieden.“ Dann will er noch eine Geschichte erzählen. Er zögert erst. Sein Gesicht wird ganz ernst. Und dann rückt er damit raus. Sein jüngerer Bruder wurde vor einigen Jahren auf dem Moped angefahren von einem Autofahrer. Er starb an den Folgen des Unfalls. Melvin sagt: „Ich war so sauer. „Wie kann so ein Raser meinen Bruder umnieten? 

Vom Schmerz zur Vergebung: Ein schwerer Verlust

Ich habe den Typ gehasst. So richtig tief. Und Gott hab ich auch nicht verstanden!“ Melvin blickt vor sich hin. Es dauert eine Weile, dann hebt er den Kopf und fährt fort. „Weißt du, was Frieden ist?“ fragt er. „Für mich war es der Moment, in dem ich beschlossen habe: Ich lasse mich vom Hass nicht auffressen. Nichts holt meinen Bruder zurück. Und mir hat es nichts gebracht, mich in Rachegedanken zu verlieren. Lieber wollte ich mich an meinen tollen Bruder erinnern. Dann wird es mir warm ums Herz.“

Glaube, Gebet und Vergebung als Weg zum inneren Frieden

Melvin liest oft in der Bibel. Ihn fasziniert, wie Jesus mit Menschen umging. Melvin sagt: „Jesus hätte den Raser nicht weggeschickt“. Und fügt hinzu: „Ok, ich bin nicht Jesus. Aber ich habe angefangen, für den Typen zu beten. Vielleicht ist der auch verzweifelt. Ich muss das ja nicht mit ihm klären. Er muss sich klären, mit Gott. Oder Gott klärt das mit ihm.“