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Dörken-Kucharz, Dr. Thomas

Eine Sendung von
Dr. Thomas Dörken-Kucharz,
Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

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Ein Journalist in Schutzweste mit der Aufschrift "PRESS" sitzt auf einem Betonblock. Er spricht am Telefon und arbeitet am Laptop. Neben ihm liegt eine Kameratasche mit einer Kamera und Objektiven. Im Hintergrund sind verlassene, industrielle Ruinen zu sehen.

Faktencheck mit Thomas

In meinem Jahrgang war Thomas in Deutschland der beliebteste männliche Vorname, und ich heiße auch so. Heute liegt Thomas nur noch auf Platz 210. Ursprünglich war Thomas nur ein Zusatz zum Namen und bedeutet schlicht Zwilling. Daraus wurde ein eigener Name, weil einer der Jünger Jesu ein Zwilling war, also Thomas genannt wurde.

Thomas: Name, Herkunft und biblische Spur

Dieser Thomas wird der ungläubige Thomas genannt. Warum, erzählt das Johannesevangelium: Nach seiner Auferstehung war Jesus den Jüngern erschienen. Thomas war nicht dabei. Als die anderen Jünger begeistert davon erzählen, ist er nicht überzeugt und sagt: Wenn ich nicht in den Händen von Jesus die Nägelmale sehe und sie berühre, kann ich’s nicht glauben.

Zweifel als Ausgangspunkt des Glaubens

Etwas später sind die Jünger wieder versammelt, diesmal mit Thomas. Der auferstandene Jesus erscheint und wendet sich direkt an Thomas. Er fordert ihn auf, die Finger in seine Wunden zu legen, damit Thomas sich überzeugen und glauben kann, dass Jesus vom Tod auferstanden ist.

Begegnung mit dem auferstandenen Jesus

Die Geschichte lässt offen, ob Thomas tatsächlich seine Finger in die Wunden legt. Aber Thomas bekennt sich zu Jesus: „Mein Herr und mein Gott!“ Und Jesus antwortet: „Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Johannes 20,19–29

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“

Was für ein Satz: „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“ Denn es war doch richtig, dass Thomas nicht alles nachplappert. Nicht einfach glaubt aufgrund von Hörensagen. Thomas will sehen, fühlen, berühren. Er will‘s genau wissen. Die Menschen um ihn behaupten etwas Aufregendes und Unglaubliches. Thomas will die Quelle selbständig überprüfen. Seitdem gilt er als ewiger Zweifler. Aber ich finde das wunderbar.

Warum Zweifel wichtig ist

Denn wer verlangt, man soll glauben, was man wissen kann, öffnet Fake News, Populisten und Verschwörungserzählungen Tor und Tür. Seriöse Medien werden verunglimpft. Journalisten sind plötzlich das letzte Pack. Nach heutigen Maßstäben wäre Thomas der Journalist in der Runde der Jüngerinnen und Jünger.

Thomas als Vorbild für Journalismus und Faktencheck

Thomas zeigt, wie Faktenchecken geht. Er prüft doppelt. Nur sehen genügt ihm nicht. Er will es betasten. Erst dann weiß er, es ist keine optische Täuschung. Thomas befolgte den heute grundlegenden journalistischen Standard: Nicht nur einer Quelle vertrauen, sondern sich so umfassend wie möglich ein Bild machen.

Wahrheit suchen: die Haltung des Thomas

Wir brauchen dringend nicht weniger, sondern mehr Thomasse. Damit meine ich die Haltung. Das Bemühen um Wahrheit. Jesus meinte mit „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ kein Nachplappern. Ich verstehe den Satz so: Es gibt wesentliche Dinge, die man nicht wissen und nicht beweisen kann. Dinge, die man nur glaubend erfahren kann. Das heißt, ihnen vertrauen, sich auf sie einlassen.

Glauben ohne Beweis: Vertrauen statt Gewissheit

Man kann nicht beweisen, ob es Gott gibt oder nicht. Man kann nicht beweisen, ob zwei Menschen sich lieben. Und niemand kann beweisen, dass Jesus auferstanden ist. Niemand kann mehr die Finger in seine Wunden legen. Und doch kann ich den Auferstandenen erfahren, wenn ich mich auf ihn einlasse. Ihm vertraue, glaube. Handfeste Beweise habe ich dann keine, brauche ich auch nicht. Ein erfülltes Herz reicht mir.