Ein besonderes Treffen
Im letzten Jahr gab es in Dänemark ein Zugunglück, eine Frau kam ums Leben, mehrere Menschen wurden verletzt. Die Rettungsarbeiten verliefen professionell. 95 Fahrgäste wurden geborgen und versorgt. Die Eltern einer Schulklasse im Zug wurden umgehend informiert und durften ihre Kinder, soweit unverletzt, abholen.
Warum ein Monat später? Informationsabend zur Verarbeitung des Zugunglücks
Einen Monat nach dem Unglück lud die Bahngesellschaft Eltern und ihre Kinder zu einem Informationstreffen ein. Alle Fragen und Nöte rund um das Unglück sollten dort mit Bahn, Polizei, Feuerwehr und Behördenvertretern besprochen werden. Vor allem für die betroffenen Kinder sei es wichtig, den Schock zu verarbeiten. Eine Krisenpsychologin erklärte, warum es sinnvoll ist mit einem Monat Abstand noch einmal über den Unfall zu sprechen. An der Unfallstelle war Rettung und Erstversorgung das Wichtigste. In diesem Schockzustand hat niemand Informationen zum Unglück und zum Ablauf der Rettung aufnehmen können. Da ging es ums Überleben.
Trauma nach Unfällen: Wenn Erinnerungen erst später kommen
Jetzt, mit Abstand, sortieren sich die Informationen, sind neue Fragen aufgekommen. Und es braucht Zeit und Geduld, um die Bilder zu sortieren. Der Vater des 16-jährigen Tobias war sehr unsicher, wie das Erlebnis auf seinen Sohn eingewirkt hat. „Er verschließt sich schnell wegen seines Autismus. Und als wir am Unglücksort ankamen, um ihn abzuholen, habe ich gesehen, dass er psychisch sehr schlecht dran war“, erzählt er. Für ihn als Vater war das Schlimmste, die Kinder weinen zu hören, er hat noch nie so viel Angst und Verzweiflung gehört.
Vertrauen in Rettungskräfte: Wie das Gespräch den Eltern geholfen hat
Als Vater hat er bei dem Treffen verstanden, dass immer wieder Bilder, Geräusche und Gerüche hochkämen, die Tobias an das Erleben erinnern. Eltern und Kinder spüren ein starkes Gemeinschaftsgefühl, das sie seit dem Unglück verbindet. Alle fragen, wie es den übrigen Verletzten geht und ob sie ausreichende Hilfe bekommen.
Am Informationsabend ist er mit dem Gefühl nach Hause gegangen, dass es einen großartigen, sehr schnellen und präzisen Einsatz der Rettungskräfte gegeben hat. Es sei eine berührende Erfahrung, dass so viele Menschen geholfen hätten.
Professionelle Nächstenliebe nach dem Unglück: Hilfe, die bleibt
Mich beeindruckt, wie sorgfältig und einfühlsam die Verantwortlichen sich kümmern. Das ist mehr als professionelle Routine. Es geht um Menschen, die Schreckliches erlebt haben. Sie werden die Folgen des Unfalls körperlich und seelisch mit sich tragen, manche ein Leben lang. Ich habe selbst einen Rettungseinsatz erlebt. Ich bin froh auf Menschen getroffen zu sein, die für andere da sind und nachfragen, was sie brauchen. Professionelle Nächstenliebe, Gott sei Dank.