Das Kreuz
Das große Kruzifix am Altar war mit einer Plane bedeckt. Viele arbeiteten an der Kirchenrenovierung mit – aber nicht jeder wusste, was der andere getan hatte.
Schrauben gelockert und dann vergessen
Einer hatte die Schrauben gelockert, mit denen das Kreuz an der Steinplatte befestigt war. Vermutlich wollte er es herausnehmen, um es während der Bauarbeiten zu schützen. Doch dann wurde er wohl unterbrochen – und vergaß, die Schrauben wieder festzuziehen.
„Da willst du Jesus freilegen, und dann kommt dir das ganze Kreuz entgegen“
Nach ein paar Wochen wollte ein anderer die Plane abnehmen. Das große Kreuz mit der Schnitzfigur wackelte und drohte, umzufallen. „Da willst du Jesus freilegen, und dann kommt dir das ganze Kreuz entgegen“ – so fasste der junge Mann das Erlebnis später zusammen.
Du willst Jesus – und kriegst Kreuz… fast ins Gesicht. Das Erlebnis bei den Bauarbeiten beschreibt, wie es vielen geht, die sich mit Christentum beschäftigen.
Jesus ohne Kreuz: Ist das überhaupt denkbar?
Jesus ohne Kreuz – das geht nicht. Sein Tod kommt uns entgegen, wenn wir das süße kleine Baby in der Krippe anschauen oder den freundlichen Mann, der den Gelähmten heilte und sich Zeit für die Kinder nahm.
Musste das denn sein, das mit dem Kreuz? Kirchen wären viel nettere Räume, wenn man nicht immer gleich mit der Nase auf diese durchbohrten Fußrücken gestoßen würde.
„Wahrer Mensch und wahrer Gott“
Jesus ohne Kreuz? Aber was dann? Der christliche Glaube baut auf Jesus Christus. „Wahrer Mensch und wahrer Gott“ lautet seine knappe Definition in einem Weihnachtslied. Er besiegt durch seine Auferstehung den Tod.
Was hätten andere Todesarten für den Glauben bedeutet?
Wenn Gott Mensch wurde, aber nicht gekreuzigt worden wäre, hätte er zwei Möglichkeiten: Er wäre auf eine andere Art gestorben – wie ein wahrer Mensch – oder gar nicht: wie ein Gott.
Wenn er seit 2.000 Jahren auf dieselbe Weise weiterlebte, gäbe es keine Auferstehung – wenn nicht hätten wir vielleicht statt des Kreuzes ein Bett vorne auf dem Altar.
Gott, der sich fürs Sterben zu schade wäre oder der, wenn es denn schon sein muss, als Menschgewordener, einen schmerzlosen Tod im Schlaf wählte, einfach, weil er´s kann… das wäre ein ganz anderer, als der, der dahin geht, wo´s wehtut. Er hätte dann weniger mit uns zu tun, die wir nicht die Wahl haben.
Die Geburt in einem gepflegten Palast, umgeben von frisch gewaschenen Dienerinnen – das hätte genauso wenig zum Gott der Bibel gepasst wie ein sanfter Abschied von der Welt.
Mein Schicksal ist Gott nicht egal
So lange es Menschen gibt, die hingerichtet werden und Menschen, die unter Schmerzen sterben, so lange erzählen wir von einem Gott, der das aushält. Jeder kann sagen: Mein Schicksal ist Ihm nicht egal. Das gilt auch für die, die arm sind oder heimatlos wie jene Familie in Bethlehem. Gott weiß, wie sich das anfühlt.
Mit Krippe und Kreuz… kommt Er uns entgegen.