Das Ja, das trägt
Vierzig Jahre Ehe. Wenn ich diese Zahl ausspreche, klingt das nach gelebter Geschichte. Vier Jahrzehnte gemeinsames Leben. Vierzig Jahre mit allem, was dazugehört: Aufbrüche und Alltag, Freude und Sorge, Gelingen und Krisen. Meine Eltern feiern in diesem Jahr dieses Jubiläum. Und je älter ich werde, desto mehr staune ich darüber, was in diesen vierzig Jahren gewachsen ist.
Wenn Liebe und Treue wachsen
Nicht nur eine gemeinsame Biografie. Sondern etwas, das tiefer reicht: eine Treue, die getragen hat. Sie sind mir ein Vorbild. Nicht, weil ihre Ehe vollkommen wäre. Wahrscheinlich ist gerade das Gegenteil der Fall, vielleicht sogar das Entscheidende. Eine lange Ehe lebt nicht davon, dass alles immer leicht ist. Sie lebt davon, dass zwei Menschen einander immer wieder neu das schenken, was sie sich einmal versprochen haben.
„Ich will dich lieben, achten und ehren“
Wer schon einmal eine katholische Trauung miterlebt hat, kennt diesen feierlichen Moment. Zwei Menschen stehen voreinander und sagen: „Ich will dich lieben, achten und ehren alle Tage meines Lebens.“ Das sind große Worte. Vielleicht gerade deshalb berühren sie so sehr. Denn wir leben in einer Zeit, in der vieles unverbindlich geworden ist. Beziehungen stehen oft unter dem Vorzeichen der Unsicherheit. Vieles soll offenbleiben, flexibel, jederzeit veränderbar. Und doch bleibt die Sehnsucht nach Verlässlichkeit. Der Mensch braucht Zusagen, auf die er bauen kann. Ich finde, darin liegt die tiefe Bedeutung des Ehesakraments.
Gottes Treue in unserem JA
Eine Ehe ist mehr als eine private Entscheidung. Sie steht in einem größeren Horizont – im Vertrauen darauf, dass Gott dieses Bündnis begleitet. Vierzig Jahre Ehe erzählen genau davon. Sie erzählen davon, dass Liebe nicht allein vom Gefühl lebt. Gefühle verändern sich. Sie schwanken. Liebe aber, so beschreibt es der erste Korintherbrief, „erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand“. Liebe ist Entscheidung. Hingabe. Geduld. Das tägliche Neu-Anfangen. Vielleicht berührt mich das an der Ehe meiner Eltern am meisten: Dass ihr Ja nicht nur damals gesprochen wurde.
Was Beziehung trägt: Vergebung, Geduld und Vertrauen
Es wurde unzählige Male erneuert. Im Alltag. Oft leise. Oft unspektakulär. Im gemeinsamen Tragen. Im Verzeihen. Im Dableiben. Und vielleicht ist das ein Zuspruch für uns alle – unabhängig davon, ob wir verheiratet sind oder nicht. Denn das Leben selbst lebt von solchen tragenden Zusagen. Der christliche Glaube erzählt von einem Gott, dessen Ja zu uns Bestand hat. Im zweiten Korintherbrief heißt es: „Denn er ist nicht als Ja und Nein zugleich gekommen; in ihm ist das Ja verwirklicht.“
Ein gemeinsamer Weg mit großer Bedeutung
Dieses Ja trägt. Vielleicht lohnt es sich, heute an die Menschen zu denken, deren Treue uns geprägt hat. An Worte, die gehalten wurden. An Beziehungen, die Bestand haben. Sie erinnern uns daran: Treue ist keine altmodische Idee. Sie ist eine Form der Liebe. Und manchmal liegt gerade in einem treu gesprochenen „Ich will dich lieben, achten und ehren“ jene stille Kraft, die ein ganzes Leben trägt.