Das göttliche und das tödliche Licht
Zweimal ein helles Licht und eine Wolke – einmal freundlich und verheißungsvoll, einmal grell und todbringend. Diese beiden gegensätzlichen Bilder verbinde ich mit den zwei Gedenktagen, die heute, am 6. August, in meinem Kalender stehen: dem Fest der Verklärung Christi und dem Gedenktag an den Abwurf der ersten Atombombe auf Hiroshima im Jahr 1945.
Zwei Lichter – zwei völlig unterschiedliche Botschaften
Hinter dem Fest der Verklärung Christi verbirgt sich ein Ereignis, von dem die Bibel erzählt (Matthäus 17,1–9): Jesus steigt mit drei Freunden auf einen Berg. Dort angekommen, erstrahlt er plötzlich in hellem Licht, und auch seine Kleidung wird strahlend weiß. Die drei Jünger sehen Mose und Elija bei Jesus stehen. Doch dann wirft eine Wolke ihren Schatten auf sie, und sie hören eine Stimme, die ihnen Jesus als Gottes Sohn offenbart. Danach ist alles wie zuvor. Sie sind wieder mit Jesus allein – aufgewühlt und voller Ehrfurcht. Jesus gebietet ihnen, niemandem von dem zu erzählen, was sie erlebt und gesehen haben – bis zu seiner Auferstehung. Dieses Erlebnis gilt als verheißungsvoller Ausblick auf das Leben nach dem Tod. Für einen Moment scheint der Himmel offen zu sein und göttliches Licht wird sichtbar.
Das grelle Licht von Hiroshima
In starkem Kontrast dazu steht der Abwurf der Atombombe über Hiroshima am 6. August 1945. Kurz nach acht Uhr morgens sehen viele Menschen auf dem Weg zur Arbeit das grelle, gleißende Licht der Explosion. Wenige Augenblicke später entsteht eine Hitze von bis zu 4.000 Grad. Über 70.000 Menschen sterben innerhalb weniger Sekunden, weitere Zehntausende in den folgenden Tagen und Wochen. Viele trinken kontaminiertes Wasser, das als schwarzer Regen aus der Atompilzwolke fällt. In den Jahren danach sterben und leiden unzählige Menschen an den Folgen der radioaktiven Strahlung – an Tumoren, Missbildungen und anderen schweren Erkrankungen. Nur drei Tage später wiederholt sich die Katastrophe in Nagasaki.
Die Verantwortung der Menschheit
Was für ein Gegensatz: Hier stehen das grelle Licht und die Wolke für die Fähigkeit des Menschen, Tod und Vernichtung über die Erde zu bringen.
Die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki sind bis heute die einzigen Atomwaffen, die in einem Krieg eingesetzt wurden. Doch danach wurden immer weitere Bomben entwickelt – viele mit einer Sprengkraft, die die Bomben von 1945 um ein Vielfaches übertrifft. Noch immer lagern weltweit Tausende Atomwaffen. Der Atomwaffensperrvertrag versucht, diese Gefahr einzudämmen.
Das Licht des Friedens leuchten lassen
Vor genau einem Jahr sagte Papst Leo XIV.:
„Ich hoffe, dass die trügerische Sicherheit, die auf der Drohung gegenseitiger Vernichtung beruht, überwunden wird durch Instrumente der Gerechtigkeit, die Praxis des Dialogs und das Vertrauen in die Geschwisterlichkeit.“
Das hoffe ich auch. Es bleibt eine gemeinsame Aufgabe der ganzen Menschheitsfamilie, das Licht des Friedens und der Gerechtigkeit leuchten zu lassen – und niemals das todbringende Licht der Zerstörung.