Autobahnkirche Medenbach - Ort für Dank und Sorgen
Auf der Rückfahrt von einem Termin halte ich noch kurz an der Autobahnraststätte Medenbach. Ich muss tanken. Es wird langsam Abend. Im Restaurant sehe ich viele Leute in der Schlange beim Schnellimbiss.
Lkw Fahrer suchen ihren Platz für die Nacht
Weiter hinten suchen Lkw-Fahrer ihren Platz für die Nacht. Den ganzen Tag über ein Kommen und Gehen. Und mitten in diesem Trubel steht eine Autobahnkirche. Sie strahlt eine eigentümliche Ruhe aus.
Ein paar Minuten Stille im Kirchenraum
Ich tanke, bezahle und habe noch etwas Zeit. Ich setze mich in den Kirchenraum. Ich bin allein. Ein paar Minuten einfach nur da sein. Still werden. Nichts erledigen müssen. Dann entdecke ich das Gästebuch. Ich blättere ein wenig darin. Menschen haben hier geschrieben: kurze Grüße, Dank, Bitten. Manche mit gestochen scharfer Handschrift. Andere hastig und ungelenk.
Ein eigener Eintrag im Gästebuch
Schließlich schreibe ich selbst etwas hinein. Ich bedanke mich, dass es diesen Ort gibt. Und bitte Gott, dass er einen Menschen, der mir nahesteht, in seiner Krankheit begleitet. Gästebücher in Kirchen haben eine lange Tradition. Der Theologe Jürgen Bärsch hat dazu geforscht [1]. Schon vor Jahrhunderten gab es Vorläufer der Gästebücher in Wallfahrtskirchen.
Dankbare Pilger und ihre Tafeln
Da haben Pilger Tafeln aufgehängt als Dank dafür, dass ihr Gebet erhört wurde.
Manche Pilger drückten ihren Dank noch anders aus. Ein Mensch hatte vielleicht lange Schmerzen im Bein. Er hat gebetet, und irgendwann konnte er wieder gehen. Dann brachte er eine kleine Figur aus Wachs oder Silber mit und hängte sie in der Kirche auf.
Was bewegt mich heute?
Heute zeigen viele Menschen mit einem Satz im Gästebuch: Das bewegt mich. Dafür bin ich dankbar. Darum bitte ich. Das ist mein Leben. Geschrieben mit der eigenen Hand. In unserem digitalen Zeitalter ist das ungewöhnlich. So kann man sehen: Hier hat jemand aus Fleisch und Blut gesessen.
Hier hat jemand etwas von sich dagelassen
Hier hat jemand seinen Namen geschrieben. Hier hat jemand etwas von sich dagelassen. Oft steckt darin die leise Hoffnung: Mein Anliegen soll nicht einfach verschwinden. Besonders berührt mich, dass solche Bücher in manchen Kirchen auch als Fürbittbücher verstanden werden. Wenn da steht: Ich mache mir Sorgen um meinen Sohn.
Sorgen und Dank werden geteilt
Jemand anders: Danke, dass die Operation gut gegangen ist. Oder: Bitte lass mich einen Weg finden. Dann lesen Menschen aus den Kirchengemeinden oder aus Klöstern die Anliegen im Gottesdienst vor und bringen sie im Gebet vor Gott. Die geschriebenen Worte werden gehört. Und die Sorgen und auch der Dank werden geteilt.
Ein Moment, der gut tut
Als ich wieder ins Auto steige, merke ich: Der Moment in der Autobahnkirche hat mir gutgetan. Dieser Ort, an dem ein Gedanke bleiben darf. Ein Dank. Eine Sorge. Ein Name. Solche Gästebücher haben eine stille Kraft: Sie bewahren nicht nur unsere Worte. Sie erinnern daran: Kein Anliegen geht verloren. Was mich bewegt, ist bei Gott gut aufgehoben.