hr2 MORGENFEIER
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Helms, Anne-Katrin

Eine Sendung von
Anne-Katrin Helms,
Evangelische Pfarrerin, Erlösergemeinde Frankfurt-Oberrad

Wucherpfennig, Dr. Ansgar

Eine Sendung von
Dr. Ansgar Wucherpfennig,
Katholischer Theologe, Kassel

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Ein Mann sitzt auf dem Boden im Wald, umgeben von Laub. Er trägt ein rotes Sportjackett und Kopfhörer. Mit geschlossenen Augen genießt er die Ruhe und scheint entspannt. In seiner Hand hält er eine Getränkeflasche. Sonnenlicht strahlt durch die Bäume.

Zwischen Erde und Himmel: Bäume als Zeichen des Lebens

Musikkonzeption: Kantor Uwe Krause

Anne-Kathrin Helms:
Ich wohne in Frankfurt und trotzdem direkt am Waldrand. Und ich bin sehr froh darüber. Als ich aus einer Kleinstadt hierherzog, war das für mich ein guter Kompromiss: Stadt und Wald ganz nah beieinander. Deshalb ist es kein Wunder, dass mein katholischer Kollege und Freund Ansgar Wucherpfennig und ich heute gemeinsam im Wald unterwegs sind. Und uns fragen, warum es uns dorthin immer wieder zieht.

Warum zieht es Menschen immer wieder in den Wald?

In der Stadt ist es oft schnell und hektisch. Der Main als Fluss, die Straßen und die Häuser geben zwar Struktur, sie ordnen das Leben. Aber gleichzeitig ist es oft laut. Und manchmal gehen mir die Hektik und auch die Rücksichtslosigkeit im Stadtleben auf die Nerven. Ich mag es eigentlich, dass so viel los ist in der Stadt, dass sich was bewegt, dass es so viele unterschiedliche Menschen gibt.

Entschleunigung beim Joggen und Spazierengehen

Aber dann wieder spüre ich: Es ist mir zu viel. Dann gehe ich im Wald joggen oder mit meinem Mann spazieren. Ich liebe die unterschiedlichen Grüntöne der Blätter und das Rascheln des Laubes unter meinen Füßen. Im Herbst riecht es modrig, im Frühling duften Blüten und Nadeln. Wenn die Sonne durch die Baumwipfel strahlt, dann erscheint alles in einem besonderen Licht, fast wie verwandelt.

Was macht die natürliche Ordnung des Waldes aus?

Früher als Kinder sind wir manchmal einfach so durch den Wald gestromert, ohne Ziel und Zeitdruck. Jetzt gehen wir meistens auf ordentlichen Wegen. Aber anders als in der Stadt wirkt diese Ordnung natürlich. Was ich erstaunlich finde: Auch wenn ich jogge, habe ich im Wald das Gefühl zu entschleunigen. Auch wenn ich schnell bin, geht die Zeit langsamer.

Der Wald verändert sich mit den Jahreszeiten

Und ich mag es, immer wieder dieselben Wege zu gehen: So nehme ich wahr, wie sich der Wald durch die verschiedenen Jahreszeiten verändert. Immer mal wieder gehe ich meine Wege einfach andersherum – und schon wirkt gleich alles ganz anders. Aber das stresst mich nicht. Im Gegenteil: Es regt mich an.

Bäume als Zeichen für etwas Größeres

Ich stelle mir dann vor, was die Bäume im Wald alles erlebt haben. Und ich staune: Die meisten sind älter als ich und viele werden länger leben als ich. Erstaunlicherweise fühle ich mich im Wald nie allein. Ich bin ein Teil von etwas Größerem.

Dr. Ansgar Wucherpfennig:
Das finde ich spannend. Bäume erinnern mich daran: Ich bin Teil von etwas Größerem. Manche Bäume werden viel älter als Menschen. Eichen und Buchen können zwischen 200 und 500 Jahre alt werden; und manche Nadelbäume sogar noch älter: 500 bis 1000 Jahre. Und die Bäume mit ihren Früchten waren auch in der Bibel schon vor dem Menschen da. Das gefällt mir: Da ist Leben, bevor der Mensch überhaupt auftaucht.

Der Garten Eden und die Bäume der Bibel

In den ersten Kapiteln des Buches Genesis, des ersten Buches der Bibel, legt Gott für die Menschen einen großen Garten an. Darin lässt er allerlei Arten von Bäumen wachsen. Sie sind groß und schön anzuschauen, ihre Blätter und ihre Blüten sind eine Augenweide, und sie bringen Früchte hervor, die köstlich zu essen sind. Gott setzt den Menschen in die Mitte des Gartens und lässt ihn alles frei anschauen, begehren und genießen.

Der Baum der Erkenntnis und der Baum des Lebens

Nur in der in der Mitte des Gartens stehen zwei besondere Bäume, der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse und der Baum des Lebens. Von dem einen Baum, dem Baum der Erkenntnis, untersagt Gott dem Menschen zu essen.

Musik 1: Georg P. Telemann, Concerto für Viola und Orchester, Folia (Nils Mönkemeyer Kammerakademie Potsdam)

Der Garten als geschützter Lebensraum

Anne-Kathrin Helms:
Dass Gott nach der Schöpfungserzählung zwei Bäume in die Mitte des Gartens Eden setzt, finde ich interessant: Ich stelle mir vor, wie der Garten umgeben ist von Wüste und Wildnis. Der Garten ist mitten im lebensfeindlichen und chaotischen Umfeld ein Raum, in dem Menschen gut leben können.

Garten und Natur: Wo Menschen gut leben können

In einem Garten herrscht meistens Ordnung. Er ist angelegt. Also Kultur, nicht Natur. Da gilt nicht die Macht des Stärkeren, Schwächere fallen dort nicht so leicht zum Opfer.

Bäume als Lebensspender für alle

Die Bäume sorgen dafür, dass für alle genug da ist: Schatten, Früchte, Holz zum Bauen. So stehen die Bäume mit Absicht in der Mitte. Ich glaube, sie sind Wegweiser. Wegweiser in den Himmel. Ihre Wurzeln sind in der Erde verankert. Der Stamm wächst aufrecht nach oben.

Warum weisen Bäume zum Himmel?

Die Krone streckt sich in den Himmel, dem Licht entgegen. Wenn ich vor einem Baum stehe, schaue ich unwillkürlich nach oben. Ich richte mich auf und strecke mich dem Himmel entgegen. Ich bin zwar ein „Erdling“, so nennen die Schöpfungsgeschichten den Menschen, aber ich bin dazu gemacht, mich nach oben auszurichten, zu Gott hin.

Der Baum als Brücke zwischen Himmel und Erde

Der Baum ist für mich eine Brücke zwischen Himmel und Erde – und ich bin mittendrin. Der Baum ist für mich ein Lebensspender – und ich darf davon zehren. Der Baum ist für mich eine Zuflucht vor dem Chaos – und ich bin beschützt. Ich glaube, deshalb gehe ich so gerne in den Wald.

Gottes Nähe und die Bedeutung des Baumes

Dr. Ansgar Wucherpfennig:
Auch die beiden Bäume in der Mitte des Paradieses stehen sicher dafür, sie sind Brücken zwischen Erde und Himmel, sie verweisen auf Gott und seine unsichtbare Gegenwart in der Schöpfung. Lässt sich daher vielleicht erklären, warum Gott dem Menschen verbietet, von dem einen Baum zu essen: Steht dieser Baum für Gott und seine unantastbare Nähe unter den Menschen?

Warum ist die Frucht der Erkenntnis verboten?

So, als wäre Gott mitten unter uns, aber trotzdem unverfügbar – zu heilig, um ihn zu besitzen oder zu verbrauchen. Das finde ich trotzdem ziemlich merkwürdig. Über alle Bäume dürfen die Menschen sich freuen, ihre Schönheit bewundern und ihre Früchte genießen. Nur von dem einen Baum der Erkenntnis nicht. Warum gerade von diesem Baum nicht?

Eva und die Frage nach der Erkenntnis

Danach fragen Menschen schon sehr lange. Die erste, die danach schon in der Bibel gefragt hat, ist Eva. Sie hat nicht eingesehen, warum sie von diesem Baum nicht essen soll. Manchmal bewundere ich ihren Mut: Auch ich freue mich, wenn ich etwas Neues erkenne, einen Zusammenhang verstehe. Warum dann nicht auch die Früchte der Erkenntnis genießen?

Musik 2: Johan Wagenaar, Summer of Life op. 21, Wagenaar: Symphonic Poems (Antony Hermus Nordwestdeutsche Philharmonie)

Gibt es Grenzen menschlicher Erkenntnis?

Dr. Ansgar Wucherpfennig:
Ob sich das Verbot, von dem Baum der Erkenntnis zu essen, wirklich so erklären lässt? Ich meine diese Idee: Dass der Baum für Gott selbst steht, für seine unantastbare Nähe – zu heilig, um sie zu besitzen oder zu verbrauchen? Ich weiß es nicht genau.

Der Baum der Erkenntnis als Schutz

Vielleicht ist es auch einfach eine Grenze, die dazugehört: Dass es etwas gibt, das uns Menschen nicht zusteht. Dass wir nicht alles wissen, nicht alles können, nicht alles besitzen dürfen. Vielleicht ist das keine Strafe, sondern ein Schutz. Denn wenn wir alles wüssten, wären wir nicht mehr wir selbst.

Die Frucht im Paradies: Apfel oder andere Frucht?

Was auch immer dahintersteckt – die Frage nach der Frucht beschäftigt die Menschen schon sehr lange. Oft wird die Frucht, die Eva von dem Baum der Erkenntnis isst, als Apfel dargestellt, viele Künstler, Albrecht Dürer, Lucas Cranach oder auch Michelangelo, haben die Frucht als Apfel gemalt. In der Bibel steht das so nicht.

Das hebräische Wort peri und die Frucht der Erkenntnis

Im ursprünglichen hebräischen Text wird sie peri genannt und das bedeutet einfach Frucht, also keine bestimmte Sorte. Dass die Frucht später zu einem Apfel und der Baum zu einem Apfelbaum wurde, hängt mit dem Lateinischen zusammen. Das lateinische malum bedeutet einerseits „Apfel“ und anderseits „Böse“, und so entstand die Idee des Apfels als der „Frucht des Bösen“.

Das lateinische Wortspiel mit dem Apfel

In der Bibel steht das so nicht. Weder die Frucht noch der Baum werden da böse genannt. Nur durch ein lateinisches Wortspiel hat der Apfel diese Bedeutung bekommen.

Ludwig Uhland und der wundermilde Wirt

So wurde der Apfelbaum durch die Paradiesgeschichte oft zwiespältig gesehen. Ganz anders beschreibt ihn der Tübinger Dichter Ludwig Uhland in seinem Gedicht vom „wundermilden Wirt“. Zunächst wirkt es wie die Schilderung eines Gasthauses: Ein goldener Apfel lädt die Gäste draußen ein.

Ein Apfelbaum als großzügiger Gastgeber

Viele kommen dorthin, genießen die Gastfreundschaft, sie essen und trinken, erfrischen sich und bekommen sogar einen Platz zum Ausruhen. Erst später wird klar: Der Wirt ist kein Mensch, sondern ein Apfelbaum. Unter seinem Blätterdach finden Menschen und Tiere Schutz, seine Früchte schenkt er großzügig und ohne Gegenleistung.

Der gesegnete Baum von der Wurzel bis zum Gipfel

Als der Gast am Ende fragt, was er ihm schuldet, schüttelt der Baum nur den Wipfel. Darum ist dieser Baum gesegnet, wie es im Gedicht heißt „von der Wurzel bis zum Gipfel“.

Wenn Bäume für Menschen sorgen

Ich mag dieses Gedicht. Denn hier sorgen nicht die Menschen für den Baum, sondern der Baum sorgt für die Menschen. Es erinnert mich an den Apfelbaum meiner Kindheit, unter dessen Krone wir im Sommer Schatten fanden und dessen Früchte später im Apfelstrudel meiner Mutter landeten.

Sterbende Wälder und eine neue Gerechtigkeit

Wenn ich heute die Schäden an vielen Bäumen und die sterbenden Wälder sehe, wirkt Uhlands Bild fast wie eine Utopie. Aber gerade deshalb ist es so wertvoll. Es zeigt, wie es auch sein könnte: Menschen und Bäume sorgen füreinander, sie können füreinander ein Segen sein.

Was bedeutet Gerechtigkeit für die ganze Erde?

Und wo das geschieht, wächst auch eine neue Gerechtigkeit, die nicht bei den Menschen aufhört, sondern die ganze Erde und ihre Geschöpfe einschließt.

Musik 3: Joachim Raff, Aus Thüringen: Ländliches Fest , Raff: Symphony 2 & Suite For Orchestra "Aus Thuringen" Hans Stadlmair: Bamberg Symphony Orchestra

Bäume vor dem Menschen in der Schöpfungsgeschichte

Anne Anne-Kathrin Helms:
Dieser Baum aus Uhlands Gedicht und der Baum im Paradies erinnern mich an den Anfang der Bibel: In der Schöpfungsgeschichte sind Bäume von Anfang an dabei – noch vor dem Menschen. Das zeigt, wie eng Menschen seit jeher mit Bäumen verbunden sind.

Bäume verbinden Erde und Himmel

Bäume weisen über mich hinaus, und zwar in alle Richtungen: Ein Baum war vielleicht schon vor mir und wird länger leben als ich. Und er hat seine Wurzeln unter meinen Füßen und reckt sich über meinem Kopf gen Himmel.

Schatten, Nahrung und Rastplatz

Bäume versorgen uns mit Essen und Trinken, mit Schatten und einen Rastplatz. Die Bäume im Garten Eden tun das aber nicht mehr. Denn: Gott hat den Menschen aus dem Paradies herausgeschickt.

Der verschlossene Weg zum Baum des Lebens

Und nicht nur das. Er hat Wächter vor den Eingang gestellt, Cheruben, besondere Engel, mit einem flammenden Schwert, die den Weg zum Baum des Lebens bewachen.

Wenn ein Weg im Wald versperrt ist

Ein verschlossener Weg – das ist ein Bild, das ich gut nachvollziehen kann. Ich kenne dieses Gefühl, dass ein Weg, den ich gern noch gegangen wäre, plötzlich versperrt ist. Im Wald passiert mir das manchmal: Ein Sturm hat einen Baum umgeworfen, oder ein Weg ist für Forstarbeiten unpassierbar.

Das Ende des Weges aus dem Paradies

Ich stehe davor und merke, dass ich nicht mehr weiterkomme, jedenfalls nicht so, wie ich es gewohnt war. Aber die Geschichte vom Rausschmiss aus dem Paradies in der Bibel ist kein Sturmschaden. Es ist eine Tür, die mit Absicht zugemacht wird. Für immer, könnte man meinen.

Der Baum des Lebens in der Offenbarung

Wenn ich die Bibel als große Geschichte bis zum Ende lese, dann entdecke ich: Der Baum des Lebens kommt nochmal vor. Nun aber unter ganz anderen Vorzeichen.

Im letzten Buch der Bibel, in der Offenbarung des Johannes, sieht der Seher Johannes eine neue Stadt. Mitten durch sie hindurch fließt ein Strom, klar wie Kristall. An seinen Ufern steht der Baum des Lebens.

Der Baum des Lebens und das Wasser

Und interessant: er steht an beiden Seiten des Flusses. Sogar die Übersetzer sind sich uneinig: Ist das ein Baum oder mehrere? Martin Luther macht daraus „Bäume des Lebens“. Vielleicht zeigt gerade diese Unklarheit, wie sehr es hier um Überfluss geht. Denn der Baum trägt zwölfmal im Jahr Früchte, jeden Monat einmal. Und seine Blätter heilen alle Völker.

Eine Stadt mit offenen Toren

Anders als der Garten Eden hat diese neue Stadt keine verschlossenen Tore. Es gibt keinen Wächter und kein Schwert. Der Baum des Lebens steht offen am Wasser und ist frei zugänglich. Jeder und jede kann zu dem Baum gehen. Aus einer kleinen Gartenszene ist eine Vision für die ganze Menschheit geworden.

Musik 4: Mendelssohn Auf Flügeln des Gesanges

Dr. Ansgar Wucherpfennig:
Am Ende der Bibel steht eine Stadt mit offenen Toren. Kein Wächter, kein Schwert, kein verschlossener Weg mehr. Der Baum des Lebens ist für alle da.

Wasser des Lebens und das Buch des Lebens

Hier, in dieser offenen Stadt, findet jeder Mensch, der durch diese Tore geht, für sich einen Baum des Lebens. Sein Name ist dort eingeschrieben in das Buch des Lebens, und jedes Menschenkind, das dort hinkommt, kann auch seinen Durst löschen am Wasser des Lebens.

Der Friedwald als Ort der Erinnerung

An diese Hoffnung habe ich gedacht, als ich vor einiger Zeit mit Freunden einen Friedwald besucht habe. Es war oberhalb von Kaufungen in Nordhessen. Von dort aus sah man über Kassel bis zum Höhenzug des Habichtswalds mit dem Herkules.

Ein würdiger Ruheort unter Bäumen

Wir haben die Ruhestätte eines Freundes besucht, der einige Wochen vorher gestorben war. An einem Baum hat er in dem Friedwald seinen letzten Ruheort gefunden. Am Stamm hing sein Name, und an den Wurzeln war seine Urne begraben. Es war ein schöner, würdiger letzter Ort für diesen Freund.

Der Kreislauf des Lebens im Wald

Ich kann verstehen, wenn Menschen an Bäumen begraben sein möchten: Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter, an Bäumen kann man hier in Mitteleuropa gut den Kreislauf des Lebens erkennen.

Jahreszeiten als Zeichen für neues Leben

Jetzt Ende September werden sich ihre Blätter bald bunt färben und später herabfallen. Ich mag es, dann am Boden durch Blätterhaufen zu waten und die knochigen Äste der Bäume wieder zu entdecken, und ich weiß, es wird auch wieder ein Frühjahr kommen mit Blüten und dem hellen, zarten Grün ihrer Blätter.

Bäume als Zeichen christlicher Hoffnung

Bäume sind für mich ein Zeichen meiner Hoffnung als Christ: In Kreislauf eines Jahres kann neues Leben wachsen. Über einen Schmerz kann sich ein neuer Jahresring legen. Ein trockener Ast kann wieder neu Kraft bekommen. Was tot aussieht, kann wieder lebendig werden.

Was bleibt, wenn etwas nicht zurückkehrt?

Aber Manches lässt sich auch nicht wieder herstellen. Die Blätterhaufen im Herbst kehren nicht an die Bäume zurück. Abgebrochene Äste bleiben am Boden liegen.

Christlicher Glaube und neues Leben

Als Christ glaube ich, so wird es mit meinem eigenen Leben sein, jetzt schon und auch beim Sterben. Ich muss Vieles zurücklassen, aber ich werde in ein Leben hineinwachsen, dass mir niemand mehr nimmt, weil Gott es mir schenkt.

Das eigene Leben zwischen Anfang und Ende

Anne-Kathrin Helms:
Wenn ich heute wieder im Wald joggen gehe, werde ich an unser Gespräch denken. An den Baum ganz am Anfang der Bibel und den Baum ganz am Ende. Und daran, dass mein Wald irgendwo dazwischen liegt – mein Leben zwischen diesem großen Anfang und diesem großen Ende.

Im Wald Teil von etwas Größerem sein

Ich habe gesagt: Im Wald fühle ich mich nie allein. Ich bin ein Teil von etwas Größerem. Jetzt verstehe ich das noch etwas besser. Es geht nicht nur um den Wald bei mir um die Ecke.

Getragen sein in einem größeren Zusammenhang

Es geht um die Gewissheit, in meinem Leben getragen zu sein von etwas, das größer ist als ich, und das schon lange vor mir da war und auch nach mir noch da sein wird.

Wo finden Menschen Halt und Wurzeln?

Nicht jeder und jede hat einen Wald vor der Tür. Aber ich glaube, jede und jeder kennt die Sehnsucht nach einem Ort, einem Menschen, der mich hält, wenn es stürmisch wird. Etwas, an dem ich Wurzeln schlagen und mich festmachen kann – in allem, was kommt.

Musik 5: Claude Debussy, La Boîte À Joujoux , Debussy: Clair De Lune (James Galway / MarisaRobles / The ChamberOrchestra of Europe)