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Klewitz, Ute

Eine Sendung von
Ute Klewitz,
Pastoralreferentin, Mentorin für Lehramtsstudierende mit dem Fach Katholische Theologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz

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Ein alter gedeckter Küchentisch

Tag der Arbeit – Gewerkschaftsgespräche am Küchentisch

In der Wohnküche meiner Kinder- und Jugendzeit hat ein großer Tisch gestanden und dort haben sich regelmäßig ganz unterschiedliche Gruppen zum miteinander reden, streiten und auch essen getroffen. 

Die Kollegen am Esstisch

So auch mein Vater mit seinen Arbeitskollegen. Mein Vater war Maurer und Vorarbeiter in einer Baufirma. Da hat es bei uns am Esstisch tagsüber hin und wieder Absprachen über die anstehenden Bauvorhaben gegeben. 

Aber abends nach der Arbeit haben sich die Kollegen öfters mal an unserem Esstisch getroffen und miteinander über ganz anderes geredet: über Geldsorgen, körperliche Probleme und besonders über Ängste, den Job zu verlieren. Die Baubranche, so erlebe ich es, ist immer wieder von Hochs und Tiefs betroffen.

Die Lieder gegen Ungerechtigkeit

Als Vorarbeiter war mein politisch eher konservativer Vater ein Mitglied in der Gewerkschaft Bau-Steine-Erden gewesen. Dort ist er damals öfters auf Treffen gewesen und hat von dort unterschiedliche Werbematerialien mitgebracht.

Mir haben vor allem die Lieder gefallen. In diesen Liedern ging es darum, sich füreinander einzusetzen und sich gemeinsam gegen Ungerechtigkeiten zu wehren. Dieser Gedanke ist mir sehr wichtig, gerade heute am 1. Mai – am Tag der Arbeit.

Ängste und Druck durch die Wirtschaftskrise

Deutschland erlebt eine Wirtschaftskrise, die vielen Menschen den Job kostet. Auch die Arbeitsbedingungen werden unsicherer, sei es der Acht-Stunden-Tag, das Recht auf Teilzeit oder soziale Sicherheit. Irgendwie entsteht da der Eindruck, dass die Beschäftigten nicht mehr genug arbeiten. 

So entwickeln sich Ängste und ein Druck baut sich auf, der sich auf ganz unterschiedliche Weise entlädt: Beschimpfungen und Unterstellungen in alle Richtungen. 

Lösungen gemeinsam finden

Gerade heute am 1. Mai erinnere ich mich an unseren Esstisch, an dem die Bauarbeiter zusammengesessen haben. Sie haben geredet, gestritten und gemeinsam Lösungen gefunden. 

Als Christin habe ich mir immer vorgestellt: Auch Jesus hat mit seinen Jüngern und Jüngerinnen an einem gemeinsamen Tisch gesessen. Und sich um Gerechtigkeit für alle gekümmert.