Stille Woche
Gestern am Palmsonntag hat sie begonnen – die Karwoche. Für Christinnen und Christen die wichtigste Woche im Kirchenjahr, wichtiger noch als Weihnachten. Für die meisten Menschen in Deutschland ist Ostern laut Umfragen vor allem eine Zeit für Ferien, ein Frühlingsfest mit Familie und im Freundeskreis. Osterhase und Osterei sind wichtiger geworden als das Kreuz.
Schwer zu verstehen: die Kar- und Osterwoche
Auch ich als Christin finde es schwer zu verstehen oder zu vermitteln, um was es in dieser Kar- und Osterwoche geht, dieser dramatischen Lebenswoche von Jesus: Erst zieht er unter Jubel ein in Jerusalem, dann wird er verurteilt, feiert sein Abschiedsessen im Freundeskreis. Er schleppt das Kreuz, an dem er aufgehängt wird, stirbt und steht am dritten Tag von den Toten auf. Was für eine Geschichte!
Was ist der der Ursprung des Wortes „Karwoche“?
Wenn ich zum Ursprung des Wortes „Karwoche“ gehe, dann könnte diese Woche aber viele Menschen ansprechen, ob sie Christ:innen sind oder nicht. Karwoche kommt nämlich vom althochdeutschen Wort „Kara“. Es heißt „Klage“, „Kummer“, „Trauer“. In manchen Gegenden heißt die Karwoche deshalb auch „Stille Woche“.
Und was gibt es alles zu betrauern und zu beklagen, persönlich und politisch, vor der eigenen Haustür, auf der ganzen Welt!
Ich hoffe, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort haben
Diese Karwoche will ich deshalb als stille Woche gestalten, trotz Arbeit und Ostervorbereitungen. Ich verbinde mich besonders mit Menschen, die traurig sind, krank oder ohne Perspektive. Rufe jemanden an oder schreibe eine Nachricht. Denke an Menschen auf der ganzen Welt in Katastrophen und Kriegen. Und ich hoffe und bete in dieser stillen Woche besonders, dass Leid und Tod nicht das letzte Wort haben. Sondern wie jede Karwoche in einen Ostersonntag übergehen, im Glauben: Das Leben ist stärker als der Tod!