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Kristen, Dr. Peter

Eine Sendung von
Dr. Peter Kristen,
Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

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Schlechte Nachrichten aussprechen

Anmoderation: 26 Fußball-Nationalspieler hatten am Donnerstag Grund zum Jubeln. Für sie erfüllt sich ein Traum: Sie sind für Deutschland dabei bei der Fußball-WM. Für viele andere Spieler hatte Bundestrainer Julian Nagelsmann aber schlechte Nachrichten: Sie haben es dieses Mal nicht in den Kader geschafft. Solche schlechten Nachrichten überbringen, wann macht man das am besten und wie? Gedanken dazu von Pfarrer Peter Kristen aus Limeshain.

Wann ist der richtige Moment für schlechte Nachrichten?

Im März war er noch die Nummer 1 im deutschen Tor. Er hat alle Qualifikationsspiele bestritten und auch bei seinem Verein in Hoffenheim gute Leistungen gezeigt. 

Auch bei der WM schien ihm die Nummer 1 sicher: Nationaltorhüter Oliver Baumann. Dann ruf ihn der Bundestrainer an und sagt: er hat mit Manuel Neuer telefoniert … 

Vom sicheren Stammplatz zur Enttäuschung

Diese Woche dann die Entscheidung: Der ist jetzt die Nummer 1 im Tor. Oliver Baumann ist nur noch „eine Weltklasse 1b-Lösung“ – so Julian Nagelsmann. Das ist hart. Nagelsmann räumt ein: „Das muss ein Schlag sein für Oli. Dass der sich auch jetzt in den Dienst der Mannschaft stellt, davor ziehe ich meinen Hut.“ 

Warum fällt es so schwer, schlechte Botschaften zu überbringen?

Solche schlechten Nachrichten aussprechen, das ist eine schwierige Aufgabe. Viele zögern aus Angst vor der Reaktion.

Als Prüfer im Examen kenne ich das: Schlechte Noten verkünden oder gar ein „Durchgefallen“. Mir fällt auf: Ich habe es nie erlebt, dass dabei wirklich jemand auf mich sauer war. Enttäuscht ja, aber nicht sauer - wenn ich klar und geradeheraus gesagt habe, was Sache ist, meine Gründe benannt habe und zu ihnen stehe. 

Klarheit schafft Akzeptanz

Das kostet Überwindung. Aber ich gebe mir einen Ruck, weil mir mein Gegenüber wichtig ist. Ich glaube, jeder Mensch hat es verdient, die Wahrheit zu erfahren auf eine möglichst respektvolle und wertschätzende Art. Am besten Auge in Auge, von Mensch zu Mensch.

Direkt oder lieber warten?

Manchmal nehme ich mir einen Moment und überlege mir gute Worte oder schlafe noch eine Nacht darüber. Aber dann muss es raus. Länger Warten würde den Groll nur wachsen lassen und meine Angst vor der Reaktion könnte mich lähmen. Geradeheraus, ohne sprachliche Schnörkel oder Beschönigungen, so erträgt sich eine schlechte Nachricht am besten. 

Ehrlichkeit als Zeichen von Respekt

Schlechte Nachrichten sind hart. Aber wenn jemand sie ehrlich ausspricht, spürt man dabei oft schon die Wertschätzung, die hilft, darüber hinwegzukommen.